Donnerstag 09. Februar 2012
Mehr Chancen als Risiken



Konjunkturbericht für Baden-Württemberg, Februar 2012


Die von der Verschuldungskrise in Europa ausgehende Verunsicherung erscheint derzeit der wesentliche belastende Faktor für die Weltkonjunktur zu sein. Diese Unsicherheit führt dazu, dass einzelne Investitions- und Konsumentscheidungen hinausgezögert werden und der globale Austausch
von Waren und Dienstleistungen etwas an Schwung verliert. Ein abrupter Einbruch der Weltwirtschaft wie nach dem Schock durch die Pleite der Lehman-Bank vor gut drei Jahren ist derzeit nicht sehr wahrscheinlich. Die Südwestwirtschaft scheint vielmehr davon auszugehen, dass die bremsenden
Effekte der Eurokrise in den kommenden Monaten zunehmend an Bedeutung verlieren und sich damit ihre Perspektiven wieder aufhellen werden. Denn die wirtschaftliche Ausgangslage Baden-Württembergs ist nach zwei Jahren überdurchschnittlichen Wachstum bestens. Die Südwestunternehmen sind hervorragend aufgestellt, können sich auch in konjunkturell etwas trüberen
Zeiten behaupten und sind zudem bereit, alsbald wieder durchzustarten.

Somit könnte die Bilanz der Wirtschaft in einem Jahr merklich positiver ausfallen, als es ihre derzeitigen Erwartungen anzudeuten scheinen. Ein Wirtschaftswachstum von bis zu zwei Prozent liegt im Bereich des Möglichen. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der IHKs in Baden- Württemberg, an der rund 4.080 Unternehmen aus allen Branchen, Größenklassen und Landesteilen teilgenommen haben.

Auf vorübergehende Beruhigung …

Die Südwestwirtschaft befindet sich zu Jahresbeginn 2012 in einer sehr guten Verfassung. Die aktuellen Lageurteile der Unternehmen haben sich im Vergleich zum Herbst letzten Jahres kaum verändert: Mehr als jedem zweiten Betrieb geht es weiterhin gut. Nur jedes zwanzigste Unternehmen ist mit dem Verlauf seiner Geschäfte unzufrieden. Die Zahl der Betriebe, die nach eigenem Urteil gut verdient haben, hat erneut etwas zugenommen.

Überdurchschnittlich fallen die Lageurteile innerhalb der Industrie im Maschinenbau – 70 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Situation als gut –, in der Kunsstoff- und Gummiindustrie (64 Prozent) sowie bei den Kfz-Zulieferern (61 Prozent) aus. Aber auch im industrienahen Großhandel (64 Prozent), bei den Architektur- und Ingenieursbüros (69 Prozent) sowie den Informations- und Telekommunikationsdiensten (65 Prozent) laufen die Geschäfte rund.

Somit hat die im zweiten Halbjahr 2011 einsetzende Reduzierung der Drehzahl der Weltkonjunktur bislang nicht zu einer Verschlechterung der Situation der Südwestwirtschaft geführt. Zwar spüren die Unternehmen eine deutlich reduzierte Nachfragedynamik. Jedoch meldet die Mehrheit der Betriebe wie schon im Herbst letzten Jahres einen Auftragseingang aus dem In- und Ausland auf konstant hohem Niveau, so dass ihre Auftragsbücher weiterhin gut gefüllt sind. Folglich ist denn auch die Auslastung der Kapazitäten, mit der sich die Wirtschaft an Nachfrageschwankungen anzupassen pflegt, nur leicht zurückgegangen.

Hinzu kommt eine verstärkte Wahrnehmung von Konjunkturrisiken durch die Unternehmen. Neben den hohen Rohstoff- und Energiepreisen bereiten der Südwestwirtschaft die vergeblichen Versuche der Wirtschaftspolitik, die Krise der Staatsfinanzen in der Eurogruppe nachhaltig in den Griff zu bekommen zunehmend Kopfzerbrechen. Die aus der Krise resultierenden Gefahren für die Konjunktur in Europa und darüber hinaus erschweren die Situation zusätzlich. Daraus ergibt sich eine allgemeine Geschäftserwartung für das Jahr 2012, die von einer nur noch zaghaften Zuversicht geprägt ist. Die Mehrheit der Unternehmen rechnet mit einer gleich bleibenden Entwicklung, 24 Prozent der Betriebe schaut optimistisch nach vorn, 16 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung ihrer Situation.

… folgt neuerliche Belebung

Jedoch deuten sowohl die Exporterwartungen der Südwestwirtschaft als auch ihre Investitions- und Beschäftigungsabsichten darauf hin, dass nach der derzeit zu beobachtenden vorübergehenden Beruhigung wieder mit einer konjunkturellen Belebung zu rechnen ist. So rechnen vier von zehn auslandsorientierten Unternehmen damit, dass ihre Exporte im Jahr 2012 weiter zunehmen werden. Nur eines von zehn befürchtet Exportrückgänge, der Rest geht von einem in etwa gleich hohen Auslandsabsatz aus. Dabei versprechen sich die meisten Betriebe zusätzliche Impulse aus Asien, aber auch Russland, Nordamerika und Lateinamerika werden durchaus optimistisch gesehen. Bei der Inlandsnachfrage stützt sich die Wirtschaft hingegen in gewisser Weise selbst: So bleiben die Pläne für Investitionen in Deutschland aufwärts gerichtet. 31 Prozent der Betriebe wollen mehr investieren, 55 Prozent ihre Inlandsinvestitionen auf dem Niveau des Vorjahres konstant halten. Ihre Beschäftigungspläne deuten zudem darauf hin, dass sich eine positive Beschäftigungsentwicklung fortsetzen wird, wodurch der inländische Konsum gestützt werden wird.

Sofern sich die genannten Risiken nicht doch noch zu einer globalen Wirtschaftskrise aufschaukeln sollten, werden 2012 weiterhin überwiegend positive Nachrichten vom Arbeitsmarkt zu hören sein. Die Beschäftigungspläne der Unternehmen deuten darauf hin, dass nach der üblichen Winterpause der Bedarf an zusätzlichem Personal wieder leicht steigen wird: Ein knappes Viertel aller Betriebe will im Jahr 2012 seine Beschäftigtenzahl erhöhen und nur jedes zehnte Unternehmen sieht sich zu einer Verkleinerung seiner Belegschaft gezwungen. Zwei Drittel der Betriebe haben vor, mit einem in gleich bleibenden Personalbestand durchs Jahr 2012 zu kommen. Jedoch befürchtet ein Drittel der Unternehmen, aufgrund des Fachkräftemangels auf dem Südwestarbeitsmarkt das benötigte höher qualifizierte Personal nicht in ausreichender Zahl finden zu können.

Arbeitsmarkt: Beschäftigung wird 2012 weiter zunehmen

Die positive Arbeitsmarktentwicklung setzt sich auch zu Jahresbeginn weiter fort. Ende Januar 2012 waren 228.020 Arbeitslose bei den Arbeitsagenturen in Baden-Württemberg registriert. Damit ist die Arbeitslosigkeit zwar gegenüber dem Vormonat aus saisonalen Gründen um gut zehn Prozent gestiegen, jedoch lag sie weiterhin deutlich (13 Prozent) unterhalb ihres Vorjahresniveaus. Mit 4,1 Prozent liegt die Arbeitslosenquote in Baden-Württemberg nicht nur merklich unterhalb der Quote Deutschlands (7,3 Prozent), sondern auch niedriger als in jedem anderen Bundesland. Parallel zum Rückgang der Arbeitslosigkeit ist die Beschäftigung im Südwesten gestiegen. Zwischen November 2010 und November 2011 wuchs die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nach vorläufigen Daten der Bundesagentur für Arbeit um über 100.000 (+2,7 Prozent) auf über 4,06 Millionen Beschäftigte.


Baden-Württembergischer Industrie- und Handelskammertag
Federführung Volkswirtschaft
Philip Reimers
c/o IHK Region Stuttgart, Jägerstraße 30, 70174 Stuttgart
Telefon +49 (0)711 2005-425, Telefax +49 (0)711 2005-60425
philip.reimers@stuttgart.ihk.de






Dateien:
Konjunktur_BaWue_Grafiken_Feb2012.pdf

<- Zurück zu: Übersicht Konjunkturberichte
  VersendenDruckversion PDF speichern