BWIHK

KONJUNKTUR

Der konjunkturelle Verlauf und dessen Prognose ist weit mehr als die Glaskugel der Volkswirtschaft. Deshalb erstellen wir unsere Berichte zur Wirtschaftslage quartalsweise schon seit 1952. Lesen Sie hier, wie es um das aktuelle Wirtschaftsklima bestellt ist – landesweit oder in Ihrer Region vor Ort.

    Folgen des Ukraine-Krieges trüben Geschäftserwartungen deutlich - Gute Lage, aber Erholung auf der Kippe

    konjunkturumfrage Frühsommer, Mai 2022

    Noch scheinen die Auswirkungen des Ukraine-Krieges bei vielen Unternehmen nicht voll angekommen zu sein, zahlreiche Betriebe befinden sich auf Erholungskurs. Doch drücken Inflation, rasant steigende Energie- und Rohstoffpreise sowie die Angst vor Energieembargos die Geschäftserwartungen im Vergleich zum Jahresbeginn deutlich ins Minus. „Es scheint wie die Ruhe vor dem Sturm“, fasst BWIHK-Präsident Wolfgang Grenke die Ergebnisse der Konjunkturumfrage zusammen. An der Umfrage haben sich zwischen 31. März und 21. April 2022 rund 3.340 Unternehmen aller Branchen und Größenklassen in Baden-Württemberg beteiligt. Demnach bewerten 45 Prozent der Unternehmen ihre Lage immer noch als gut, nur geringfügig weniger als zu Jahresbeginn. 43 Prozent befinden die Lage als befriedigend und nur zwölf Prozent bewerten sie als schlecht.

    Für die aktuell verhältnismäßig gute Lage scheint ein gestiegener Umsatz im Vergleich zum Frühsommer 2021 verantwortlich zu sein, den 46 Prozent der Unternehmen angeben. Gleichbleibende Umsätze vermelden 35 Prozent, bei 19 Prozent ging er zurück. „Doch auch wenn die Ist-Situation für viele Betriebe noch erstaunlich gut ist, ziehen bei den Geschäftserwartungen deutlich dunklere Wolken am Himmel auf“, erklärt Grenke. So hofft zwar jedes fünfte Unternehmen im Laufe des Jahres auf bessere Geschäfte und etwas mehr als die Hälfte geht von einer gleichbleibenden Lage aus. Jedes vierte Unternehmen erwartet allerdings eine deutliche Eintrübung – zu Jahresbeginn 2022 war das nur rund jeder achte Betrieb.

    „Die vergangenen zwei Jahre waren wie eine Achterbahnfahrt für die baden-württembergische Wirtschaft“, so Grenke. „Mit positiven Signalen schienen weite Teile der Wirtschaft die Pandemie hinter sich gelassen zu haben. Dann trafen Lieferkettenprobleme, Preissteigerungen und die fünfte Corona-Welle die Betriebe Anfang 2022 erneut mit voller Wucht. Jetzt verunsichern die schwer einzuschätzenden Entwicklungen im Ukraine-Krieg die Wirtschaft.“ Befragt nach den größten Geschäftsrisiken geben rund 70 Prozent der Betriebe die steigenden Energiepreise an, das sind rund 20 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Es folgen die steigenden Rohstoffpreise mit 62 Prozent und der Fachkräftemangel mit rund 58 Prozent, der damit für viele Betriebe eines der drängendsten Probleme bleibt.

    Der Blick in die Branchen, auf Export und Transformationsprozesse

    Von einem niedrigen Niveau aus kommend hat den größten Sprung nach vorne der Hotel- und Gaststättenbereich gemacht – die Aufhebung der Corona-Maßnahmen lässt die Gastronomen auf ein gutes Sommer- und Urlaubsgeschäft hoffen. Rund 56 Prozent der Betriebe erwarten in den kommenden zwölf Monaten bessere Geschäfte, auch wenn die hohen Energiekosten die Erträge deutlich senken. Neun von zehn Unternehmen sehen die gestiegenen Energiepreise als Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. Auch der Mangel an Arbeitskräften bleibt in dieser Branche ein drängendes Problem. „Es freut uns sehr, dass die Gastronomen endlich wieder Licht am Ende des Tunnels sehen. Die Landesregierung muss jetzt alles dafür tun, damit die Betriebe die dringend benötigten Fachkräfte bekommen“, fordert Grenke. „Dazu gehört allen voran, die duale Ausbildung weiter zu stärken sowie die Berufsorientierung an den Schulen hochzufahren. Davon profitieren beiden Seiten. Denn nicht nur die Wirtschaft braucht dringend Nachwuchs. Auch für junge Menschen bieten sich mit einer Ausbildung derzeit so gute Chancen wie selten zuvor.“

    Positive Signale zur aktuellen Lage sendet auch der Dienstleistungsbereich, dennoch bleiben hier Verunsicherungen über die wirtschaftliche Entwicklung nicht aus. Von der voranschreitenden Digitalisierung profitieren weiterhin ITK-Dienstleister und Unternehmen aus der technischen Beratung. Auch die Finanzdienstleistungsbranche bleibt auf hohem wirtschaftlichem Niveau. Die personenbezogenen Dienstleistungen hoffen durch die weiteren Lockerungen auf die ersehnte Erholung, die Geschäftslage hat sich im Vergleich zum Jahresbeginn leicht verbessert.

    Erstmals seit der Pandemie verschlechtert haben sich dagegen die Erwartungen der Bauwirtschaft. Ausgehend von einer Sonderkonjunktur in Pandemiezeiten, vor allem wegen der starken Nachfrage im Wohnungsbau, führen nun steigende Baukosten, Lieferengpässe und fehlende Fachkräfte zu deutlich geringeren Erträgen. Die erschwerten Finanzierungsbedingungen senken zudem den Auftragseingang im Wohnungsbau. Derzeit geben ein Drittel der Unternehmen in diesem Bereich zurückgehende Aufträge an, bei 48 Prozent der Unternehmen stagnieren sie und nur noch 18 Prozent vermelden steigende Auftragseingänge – zu Jahresbeginn waren das noch 38 Prozent. 

    Auch bei der Industrie im Land sind die Erwartungen deutlich gesunken. „Trotz widriger Umstände hat es unsere Industrie seit dem Frühsommer 2021 aus der Krise auf den Erholungspfad geschafft. Die Unsicherheiten des Krieges, massive Preissteigerungen und die Sorge vor Energieembargos trüben nun auch hier deutlich die Aussichten“, so Grenke. Zu Jahresbeginn gaben nur 9 Prozent der Unternehmen an, dass sie fallende Umsätze erwarten, jetzt ist dieser Wert um 13 Prozentpunkte gestiegen. Nur noch 35 Prozent der Unternehmen gehen von steigenden Umsätzen aus, zu Jahresbeginn war es noch jeder zweite Betrieb. 

    Die Lage im Handel bleibt gespalten. Der Großhandel konnte trotz steigender Preise weiter zulegen, 59 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass ihr Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal gestiegen ist. Dennoch bleibt auch der Großhandel von Lieferengpässen und der gestiegenen Inflation nicht unberührt. 87 Prozent der Unternehmen sehen die gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten als Geschäftsrisiko. Im Einzelhandel hat sich die Situation dagegen weiter verschärft. „Für die Einzelhändler ist es ein Stolpern von Krise zu Krise. Viele sind noch von den Einschränkungen der Corona-Pandemie schwer getroffen, jetzt führen steigende Preise und die Inflation bei den Kunden zu einer deutlichen Kaufzurückhaltung, die die Einzelhändler zu spüren bekommen“, sagt Grenke. Auch hier geben 82 Prozent der befragten Unternehmen steigende Energie- und Rohstoffpreise als Geschäftsrisiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung an.

    Das Verkehr- und Transportgewerbe trifft der drastische Anstieg der Energiepreise besonders deutlich. 88 Prozent der befragten Unternehmen nennen die steigenden Energiekosten als Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Demnach verschlechtert sich ihre Ertragslage, 30 Prozent melden einen Rückgang. Auch der Auftragseingang geht deutlich zurück. Im Güterverkehr sorgen starke Belastungen in den Lieferketten und hohe Benzinkosten für schlechte Ausblicke. Die Ausnahme bildet der Personenverkehr. Die neue Reiselust vieler Kunden hat die Auftragseingänge auf den höchsten Wert seit Monaten steigen lassen.

    Drastische Einbrüche gibt es auch bei den Exporterwartungen der Südwest-Wirtschaft. „Die Lieferkettenproblematik und steigende Energie- und Rohstoffpreise verschärfen die Lage hier dramatisch“, so der BWIHK-Präsident. Nur noch 28 Prozent der Unternehmen gehen von steigenden und 49 Prozent von gleichbleibenden Exporten aus. 23 Prozent erwarten einen Rückgang. Besonders betroffen ist der Handel mit Asien. „Die Zero-Covid-Strategie Chinas und die Tatsache, dass von jetzt auf gleich Häfen geschlossen und Millionenstädte abgeriegelt wurden, hat den Betrieben das Wirtschaften deutlich erschwert. Das zeigt, wie wichtig es ist, zu große Abhängigkeiten zu vermeiden“, betont Grenke. Aber auch die Exporterwartungen nach Nordamerika seien im Vergleich zum Jahresbeginn 2022 gesunken, unter anderem wegen steigenden Containerpreisen. Der Krieg in der Ukraine und die Sanktionen gegenüber Russland treffen die mit diesen beiden Nationen wirtschaftlich besonders verflochtenen osteuropäischen Länder, weshalb deutsche Exporte in diesen Märkten zurückgegangen sind.

    Durch vergangene und kommende Krisen beschleunigt wird dagegen der Transformationsprozess der baden-württembergischen Wirtschaft. Lockdowns und Corona-Maßnahmen führen zu hohen Investitionen in Digitalisierung. Mehr als jedes zweite Unternehmen gab bei der Konjunkturumfrage im Frühsommer 2022 an, dass Digitalisierung ein Hauptmotiv für ihre Investitionen sei. Die Sorge über weiter steigende Energiepreise führten bereits vor dem Krieg zu höherer Investitionsbereitschaft beim Thema Umweltschutz und Energieeffizienz. Rund 79 Prozent der Unternehmen sehen steigende Energie- und Rohstoffpreise als Geschäftsrisiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Vor der Corona-Pandemie gab im Herbst 2019 lediglich etwas über ein Fünftel (22 Prozent) der Unternehmen an, künftig in Energieeffizienz investieren zu wollen. Aktuell sind es mit deutlich über einem Drittel der Betriebe (38 Prozent) schon wesentlich mehr. 

    UNSER FAZIT

    Die letzten zwei Jahre waren eine Achterbahnfahrt für die baden-württembergische Wirtschaft. Mit positiven Signalen erfreute sich die Wirtschaft in den weitesten Teilen zunächst die Pandemie überstanden zu haben. Die Folgen der Lieferkettenproblematik und Preissteigerungen hielten bis zum Jahresbeginn 2022 an und die fünfte Corona-Welle traf Teile der Wirtschaft hart. Im Frühsommer 2022 stagniert die wirtschaftliche Lage und die schwer einzuschätzende Entwicklung des Krieges in der Ukraine führt zu Verunsicherungen in allen Baden-Württembergischen Wirtschaftssektoren. So müssen wir abschließend festhalten, dass der Erholungsprozess in der Wirtschaft Baden-Württembergs auf unbestimmte Zeit verschoben ist.

    Die vollständigen Konjunkturergebnisse unserer Umfrage lesen Sie im PDF - klicken Sie einfach rechts auf "Mehr Informationen". Weitere Informationen zu Konjunktur und Beschäftigung, u. a. Highcharts zu Regionen und dem Arbeitsmarkt, finden Sie hier.

    Omikron versetzt wirtschaftlicher Erholung einen Dämpfer - BWIHK-Umfrage zum Jahresbeginn: Viele Betriebe mit Zukunftssorgen

    konjunkturumfrage Jahresbeginn/FRühjahr, februar 2022

    Die Omikron-Variante hat der Hoffnung vieler Unternehmen, die Pandemie weitgehend überstanden zu haben, einen Dämpfer verpasst. Die nach wie vor unsicheren Faktoren von Corona, neue Kontaktbeschränkungen und die weiter anhaltenden weltweiten Probleme in den Lieferketten, drücken die Geschäftserwartungen im Vergleich zum Herbst ins Minus

    „Fast die Hälfte der Südwestunternehmen schätzt ihre Lage zwar immer noch als gut ein, dennoch nimmt auch die Zahl der Pessimisten weiter zu“, sagt Marjoke Breuning, BWIHK-Vizepräsidentin und Präsidentin der IHK Region Stuttgart, der beim BWIHK für konjunkturelle Fragen zuständigen Kammer. An der Umfrage haben rund 3.700 Unternehmen aller Branchen und Größenklassen aus ganz Baden-Württemberg teilgenommen. 

    Demnach bewerten 13 Prozent der Betriebe ihre Lage als schlecht, etwas mehr als zum gleichen Zeitpunkt 2020 und damit vor der Pandemie. Gut beurteilen ihre Lage aktuell 47 Prozent der Befragten, als befriedigend stufen sie rund 40 Prozent ein. „Auch wenn sich manche Branchen schon wieder aus dem konjunkturellen Tal herausgearbeitet haben, dürfen wir nicht übersehen, dass in anderen Bereichen der Weg aus der Pandemie deutlich länger und steiniger ist als gedacht“, so Breuning. Auch die Erwartungen der Betriebe sind etwas unter dem Niveau der letzten Umfrage. Ein Drittel der Befragten geht im laufenden Jahr von besseren Geschäften aus – nicht viel weniger als zuvor. Rund jeder achte Betrieb rechnet wie letzten Herbst mit schlechteren Geschäften.

    Lieferengpässe, weiterhin anhaltende Preissteigerungen bei Rohstoffen, Energie- und Vorprodukten, aber auch die weiter schwächelnde Konsumnachfrage würden die Erholung in vielen Bereichen deutlich bremsen, so Breuning. „Dazu kommt, dass viele Betriebe nach zwei Jahren Pandemie ihre Eigenkapitaldecken aufgebraucht haben. Bleiben dann langfristig die Einnahmen weg, stehen diese Betriebe mit dem Rücken zur Wand.“

    Der Blick in die Branchen, auf den Export und Arbeitsmarkt

    Am optimistischsten in die Zukunft blickt wie seit Beginn der Coronakrise die Bauwirtschaft. Nachdem die anhaltenden Preissteigerungen und Lieferverzögerungen zur Mitte des letzten Jahres auch in der Baubranche deutliche Spuren hinterlassen haben, hat sich die Situation zum Jahresbeginn wieder entspannt. 60 Prozent der Unternehmen melden eine gute Geschäftslage und rund 70 Prozent gehen davon aus, dass das in den kommenden zwölf Monaten auch so bleibt – beziehungsweise 86 Prozent gehen davon aus, dass es so bleibt oder sogar noch besser wird.

    Auch die Industrie im Land steht trotz Lieferengpässen und Corona gut da. Rund 50 Prozent der befragten Unternehmen bewertet ihre Lage gut, mehr als 40 Prozent als befriedigend – etwas mehr als noch im Herbst. „Unsere Industrie hat sich als erstaunlich robust erwiesen“, freut sich Breuning. Die Exporterwartungen steigen leicht und liegen erstmals wieder auf dem Niveau vom Sommer 2018. Dies ist vor allem auf die positiven Geschäftserwartungen in Nordamerika und Asien zurückzuführen, während die Geschäfte mit Großbritannien weiter schwächeln. 

    Ein geteiltes Bild gibt der Handel ab. Während sich der Großhandel im Vergleich zum Herbst in annähernd stabiler Lage befindet, ist die Situation für viele Betriebe im Einzelhandel angespannt, vor allem bei Sortimenten außerhalb der Grundversorgung. „Die vielen Einschränkungen und ständig wechselnden Corona-Maßnahmen für Kunden und Beschäftigte machen den Einzelhändlern das Leben schwer. Nach dem Wegfall der 3G-Regel in der aktuellen Alarmstufe hoffen die meisten Händler nun darauf, dass wieder Normalität einkehrt. Die Kammern haben sich beim Land dafür massiv eingesetzt“, sagt Breuning. „Jedoch braucht es dringend langfristige Strategien, die in den Innenstädten eine gute Perspektive für die Mischung aus Wohnen, Handel, Kultur, Gastronomie, Gewerbe und Produktion schaffen. Die Pilotprojekte „Innenstadtberater“ und die „Intensivberatung Zukunft Handel 2030“ sind dafür ein Anfang, in die sich die IHK-Organisation massiv einbringt.“

    Bei den Dienstleistern wird die Lage weiterhin vom stark gebremsten Konsum beeinflusst, die personenbezogenen Dienstleistungen leiden zu einem großen Teil unter den Einschränkungen ihrer Geschäfte. Besonders schlecht schneidet das Hotel- und Gaststättengewerbe ab. Bei rund 70 Prozent der Betriebe sieht die Lage aktuell düster aus, deutlich mehr als im Herbst. Auch die Zahl derer, die keine schnellen Verbesserungen erwarten, hat sich deutlich erhöht. „Das ist erschreckend und wir müssen davon ausgehen, dass auch weitere Betriebe in diesem Jahr aufgeben werden“, sagt Breuning. Auch die sonstigen personenbezogenen Dienstleistungen würden zu einem großen Teil weiter unter den Einschränkungen ihrer Geschäfte leiden.

     

    Positiv sieht es bei den Exporterwartungen der deutschen Wirtschaft aus. „Die sind deutlich aufwärts gerichtet mit zuletzt sogar leicht zunehmender Tendenz“, so Breuning. Hier zeige sich die Erholung der Eurozone ebenso deutlich in den Auftragsbüchern wie die gute wirtschaftliche Entwicklung in den USA, wo staatliche Konjunkturprogramme zu starken Nachfrageimpulsen führten. Auch in Asien seien deutliche Exportzuwächse zu erwarten – obwohl die restriktive Pandemiebekämpfung und die damit verbundenen Einschränkungen die wirtschaftlichen Aktivitäten deutlich erschwerten.

    UNSER FAZIT

    Insgesamt bleibt die Lage angespannt. Auch die Risiken für die weitere wirtschaftliche Erholung und die Entwicklung in toto bleiben hoch. Dies verdeutlichen die Erwartungswerte sowie Beschäftigungspläne für 2022. Auch auf dem Arbeitsmarkt kommen die Unternehmen zunehmend unter Druck. Breuning: „Der Fachkräftemangel ist zum Ende der Pandemie mit voller Wucht zurückgekehrt und betrifft nahezu alle Branchen. Auch die weiter steigenden Arbeitskosten sind für viele Unternehmen eine erhebliche Last und ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung.“

    Die vollständigen Konjunkturergebnisse unserer Umfrage lesen Sie im PDF - klicken Sie einfach rechts auf "Mehr Informationen". Weitere Informationen zu Konjunktur und Beschäftigung, u. a. Highcharts zu Regionen und dem Arbeitsmarkt, finden Sie hier.

    Wirtschaft kämpft um Aufschwung - gestörte Lieferketten dämpfen Optimismus in der Industrie

    Herbst-konjunkturumfrage, Oktober 2021

    Die Baden-Württembergische Wirtschaft setzt auch im zweiten Halbjahr ihren Erholungskurs fort. Sowohl Lage als auch Erwartungen haben sich gegenüber der letzten Umfrage im Frühsommer noch einmal deutlich verbessert. Rund der Hälfte der befragten Unternehmen geht es wieder gut. 

    Das zeigt die aktuelle Herbst-Konjunkturumfrage des BWIHK, an der sich 3.570 Unternehmen aller Branchen und Betriebsgrößen im Südwesten beteiligt haben. „Eine schlechte Lage meldet noch etwa jeder zehnte Betrieb, im Frühsommer waren es mit jedem fünften Unternehmen noch doppelt so viele. Das zeigt, dass die Wirtschaft anläuft. Allerdings stellen wir fest, dass vor allem der Fachkräftemangel und gestörte Lieferketten den Aufschwung noch bremsen“ sagt BWIHK-Vizepräsidentin Marjoke Breuning. Obwohl die pandemiebedingten Einschränkungen in vielen Branchen sukzessive gelockert werden und viele Unternehmen wieder ihren Geschäften nachgehen können, steht die Ungewissheit, ob die Lage unter Kontrolle bleibt. Konkreter zeichnen sich derzeit Probleme ab, die durch weiterhin stark gestörte Lieferketten entstehen. Diese treffen nicht nur die Industrie und verursachen dort Produktionsrückgänge bis hin zu kompletten Ausfällen. Auch andere Branchen leiden massiv unter den Auswirkungen.

    Lieferengpässe hemmen den Aufschwung der Industrie

    Ob tagelange Blockade des Suezkanals, die coronabedingten Hafenschließungen in China oder pandemiebedingte Ausfälle von Schiffspersonal – der wirtschaftliche Aufschwung der baden-württembergischen Industrie wird durch Lieferengpässe gebremst. Dennoch meldet der Wirtschaftssektor im Herbst eine überdurchschnittlich gute Lage – allen Unsicherheiten bei Corona und gestörten Lieferketten zum Trotz. Der Lageindikator liegt mit 40,5 mehr als 3 Punkte über dem Wert für die Gesamtwirtschaft. Nahezu alle Industrien konnten ihre aktuelle Lage verbessern, mit Ausnahme des Fahrzeugbaus. Der IHK-Lageindikator ist im Fahrzeugbau von Frühsommer 2021 bis Herbst 2021 um fast 10 Punkte gesunken. Das liegt unter anderem an Lieferengpässen aus Vorprodukten, wie Halbleiter und einer Senkung des Exportes nach Asien.

    Bauwirtschaft auf unverändert hohem Niveau

    Die Bauwirtschaft steht weiterhin hervorragend da, sitzt auf vollen und sich weiter füllenden Auftragsbüchern und bewertet ihre Lage im Herbst noch einmal deutlich besser als im Frühsommer. Mit einem Plus von 10 Prozentpunkten im Vergleich zum Frühjahr 2021 beurteilen 66,1 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut und nur 3,1 Prozent schätzen ihre derzeitige Lage als schlecht ein. Allerdings sind die Auftragsbestände nicht nur Zeichen einer weiterhin starken Nachfrage nach Bauleistungen, sondern auch Folge von Material- und Personalengpässen.

    Handel hoffnungsvoll, aber mit Personalmangel

    Die geschäftliche Entwicklung des Handels ist weiterhin sehr heterogen. Während der produktionsnahe Großhandel schon seit Jahresbeginn 2021 eine positive Entwicklung verzeichnen konnte, hat auch der konsumnahe Großhandel eine verbesserte gesamtwirtschaftliche Lage im Vergleich zum Jahresbeginn 2021 zu vermelden. Der IHK-Indikator stieg um 19 Punkte auf 27 Punkte an. Allerdings sanken die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate vom Frühsommer 2021 zum Herbst 2021 um circa 5 Punkte. Das liegt vor allem an den bestehenden Unsicherheiten gegenüber den Lieferketten. Von den rückmeldenden Unternehmen gaben 58 Prozent an, dass Rohstoffpreise ein Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung darstellen. Außerdem befürchten 54 Prozent der Betriebe einen Mangel an Fachkräften, der sich mit alter Wucht zurückmeldet und die Situation verschärft. Gerade in den durch die Pandemie besonders gebeutelten Branchen Handel und Gastronomie sind viele Beschäftigte aus der Kurzarbeit in andere Geschäftsbereiche abgewandert. „Mit Besorgnis sehen wir, dass einige Betriebe ihre Öffnungszeiten anpassen oder sogar Filialen schließen müssen, da zu wenig Personal zur Verfügung steht“, so Marjoke Breuning.

    Lage der Gastronomie verbessert sich auf niedrigem Niveau

    Ein ähnliches Bild wie im Handel zeigt sich auch in der Gastronomie. „Der Mangel an Arbeitskräften führt dazu, dass Gastronomen Ruhetage einführen müssen oder weniger Tische bedienen können. Das Angebot von Fachkräften im Gastgewerbe ist stark gesunken, da viele Arbeitskräfte in den Lockdown-Phasen in krisenfestere Branchen gewechselt sind“, betont die BWIHK-Vizepräsidentin. Von den befragten Gastronomien gaben circa 70 Prozent an, dass der Fachkräftemangel ein wirtschaftliches Risiko für ihre Entwicklung darstellt. Von einem niedrigen Niveau kommend haben sich die Lage und Erwartungen im Gastgewerbe im Vergleich zum Frühsommer 2021 verbessert. Der Lage-Indikator stieg von negativen 91,9 Punkten im Frühsommer 2021 auf positive 2,8 Punkte im Herbst 2021. Auch die Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate sind auf positive 16,8 Punkte gestiegen und somit deutlich optimistischer als noch im Frühsommer 2021. Es lässt sich festhalten: Auf der einen Seite sind Gastronomien erleichtert, nach den langen Lockdown-Phasen wieder Kunden bedienen zu dürfen. Auf der anderen Seite kann die vorhandene Konsumnachfrage aufgrund des Fachkräftemangels nicht vollumfänglich bedient werden.

    In der Hotelbranche zeichnen sich ebenfalls unterschiedliche Geschäftssituationen ab. Zum einen sind durch die Lockerungen wieder Beherbergungen möglich und Hotels profitieren vor allem durch den inländischen und innereuropäischen Tourismus. Zum anderen gibt es weniger Geschäftsreisende als vor der Pandemie, da wegen der zunehmenden Digitalisierung Geschäftsreisen für viele Unternehmen (noch) obsolet sind. So sagen 46 Prozent der Hotels, dass die Auslandsnachfrage ein wirtschaftliches Risiko darstellt. Auch in der Hotelbranche sehen 86 Prozent der Unternehmen den Fachkräftemangel als das größte wirtschaftliche Risiko.

    IHK-Konjunkturklimaindex:

    Der IHK-Konjunkturklimaindex spiegelt das Ergebnis der IHK-Konjunkturumfrage in einem Wert wider. Er ist ein Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. Entscheidend für die Interpretation der konjunkturellen Entwicklung im Zeitablauf ist die Veränderung des Index. Nimmt er zu, wird sich die Konjunktur tendenziell positiv entwickeln, nimmt er ab, verschlechtert sich hingegen tendenziell die wirtschaftliche Entwicklung. Sie werden als Saldo der positiven beziehungsweise negativen Antworten zu den jeweiligen Fragen ermittelt und können demnach zwischen minus 100 und plus 100 Prozentpunkten liegen. Ein Indikator von Null zeigt an, dass sich die positiven und negativen Antworten genau die Waage halten. Ein positiver Indikatorwert bedeutet, dass es mehr positive als negative Antworten gibt.

    Die vollständigen Konjunkturergebnisse unserer Umfrage lesen Sie im PDF - klicken Sie einfach rechts auf "Mehr Informationen". Weitere Informationen zu Konjunktur und Beschäftigung, u. a. Highcharts zu Regionen und dem Arbeitsmarkt, finden Sie hier.

Konjunkturberichte / Regional

Die regionalen Konjunkturberichte werden von der jeweiligen IHK zu Verfügung gestellt. 

Die IHK Ihrer Region finden Sie hier.