Stimmung nur leicht getrübt

6. Februar 2019, von: BWIHK-Tag

Konjunkturbericht für Baden-Württemberg, Februar 2019


Die Wolken am Konjunkturhimmel über Baden-Württembergs Wirtschaft haben sich auch zu Beginn des neuen Jahres nicht verzogen. Sowohl die Weltwirtschaft als auch einzelne für die hiesigen Unternehmen besonders wichtige Märkte, wie China oder auch die Eurozone, haben in den vergangenen Monaten etwas an Schwung verloren. Ein chaotischer Brexit rückt mit großen Schritten näher. Statt einem freien Austausch von Waren und Dienstleistungen mit dem trotz zweistelliger Einbußen bei den Exporten weiterhin siebtwichtigsten Handelspartner, dem Vereinigten Königreich, drohen Grenzkontrollen und Zollschranken. Die von den USA angezettelten Handelskonflikte schwelen trotz erster Entspannungssignale weiter. Auch die Zuversicht in die binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte ist nicht mehr ganz so ausgeprägt wie im Vorjahr.

Diesem auffrischenden konjunkturellen Gegenwind trotzt die Südwestwirtschaft bislang recht erfolgreich. Zwar drücken neben den Risiken die seit dem letzten Herbst nachlassenden Nachfrageimpulse etwas auf die Stimmung – die Produktion von Waren sowie das Erbringen von Dienstleistungen erfolgt jedoch weiterhin am Rande der betrieblichen Kapazitäten. Die Erlöse nehmen dementsprechend unverändert zu. Die überwiegende Mehrheit der hiesigen Unternehmen befindet sich folglich unverändert in einer hervorragenden Ausgangsposition. Damit bleibt der Aufwärtstrend auch im neunten Jahr des Aufschwungs weiterhin intakt. Das ergibt sich aus der aktuellen Konjunkturumfrage des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK), an der sich 3.786 Unternehmen aus allen Branchen, Größenklassen und Landesteilen beteiligt haben.

Zufriedenheit geht auf hohem Niveau erneut leicht zurück

Die Geschäfte der Südwestwirtschaft laufen weiterhin rund auf hohem Niveau. Wie schon im Herbst vergangenen Jahres haben 47 Prozent der Unternehmen aus dem Südwestenihre Erlöse in den letzten vier Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum weiter steigern können. Der Anteil der Betriebe, die mit geringeren Erlösen zu Recht kommen müssen, hat sich lediglich um einen Prozentpunkt auf 17 Prozent erhöht. Obwohl mit tendenziell steigenden Kosten konfrontiert, ist den meisten Betrieben dadurch gelungen, ihre Ertragssituation auf befriedigendem bzw. guten Niveau zu halten. Trotzdem ist die Zufriedenheit der Südwestwirtschaft mit ihrer aktuellen Geschäftslage auf sehr hohem Niveau etwas zurückgegangen. Zwar geht es weiterhin nur jedem 20. Unternehmen schlecht, aber die Zahl der Betriebe, die ihre Lage mit gut bewerten, ist von 59 auf 57 Prozent gesunken.

Offensichtlich drückt die nachlassende Nachfragedynamik auf die Stimmung. Momentan melden 29 Prozent der Unternehmen einen ansteigenden Auftragseingang, 55 Prozent registrieren eine gleich bleibende Nachfrage und 16 Prozent der Betriebe klagen über sinkende Ordereingänge. Der Auftragseingangsindikator, der als Differenz zwischen den Anteilen der Unternehmen mit positver und negativer Nachfrageentwicklung berechnet wird, liegt damit aktuell bei 13 Punkten. Die Nachfrage steigt somit weiter an, jedoch deutlich langsamer als zuvor. Im Herbst lag der Indikator noch bei 21, vor Jahresfrist bei 33 Punkten. In der Südwestindustrie fällt die Abschwächung der Nachfrage noch prägnanter aus. Weder aus dem In- noch aus dem Ausland kommen derzeit nennenswert frische zusätzliche Impulse.

Investitionen bleiben im Plus

Im Zuge der nachlassenden Auftragseingangsdynamik fallen auch die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate nicht mehr so optimistisch aus wie zuvor. Im Vergleich zum Jahresauftakt 2018 ist die Zahl der auslandorientierten Unternehmen, die mit steigenden Exporten rechnen von 46 auf 35 Prozent zurückgegangen. Geringere Ausfuhren befürchten aktuell mit 14 Prozent doppelt so viele Betriebe. Auch im Inlandsgeschäft werden geringere Zuwachsraten erwartet. 46 Prozent der Unternehmen nennt inzwischen die Inlandsnachfrage als ein Geschäftsrisiko, ein Anstieg um sieben Prozentpunkte gegenüber unserer letzten Umfrage.

Mit einem baldigen Ende des Aufschwungs rechnen die Unternehmen aus Baden-Württemberg trotzdem weiterhin nicht. Zwar ist die Zahl der Pessimisten seit letztem Herbst von gut neun auf knapp zwölf Prozent gestiegen – wie zuvor erwarten jedoch mit einem Anteil von 28 Prozent weiterhin deutlich mehr Betriebe eine weitere Verbesserung ihrer Geschäfte. Sechs von zehn Unternehmen gehen davon aus, ihr derzeitiges hohes Geschäftsniveau halten zu können. Das zeigen auch ihre Investitionsabsichten: 31 Prozent wollen mehr für Inlandsinvestitionen ausgegeben als im vergangenen Jahr, lediglich knapp 14 Prozent haben ihre Investitionsbudgets gekürzt. Als Fazit bleibt: Die Wirtschaft Baden-Württembergs nimmt den Fuß ein wenig vom Gaspedal, bleibt jedoch auf Wachstumskurs.

Arbeitsmarkt: Engpässe nehmen zu

Dank des anhaltend hohen Personalbedarfs der Wirtschaft, hat der Arbeitsmarkt im Land vergangenes Jahr seine positive Entwicklung fortgesetzt. Im Jahresdurchschnitt 2018 gab es 195.128 Arbeitslose, 17.709 weniger als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote ist von 3,5 auf 3,2 Prozent zurückgegangen. Damit bleibt Baden-Württemberg nach Bayern das Bundesland mit der geringsten Arbeitslosigkeit. Angesichts der gestiegenen Zahl offener Stellen zeigt sich, dass die Personalsuche zunehmend schwieriger wird. Das sehen auch die befragten Unternehmen so. Fast zwei Drittel der Betriebe nennen steigende Fachkräfteengpässe als Risiko für die eigenen Geschäftsentwicklung.

Trotz der etwas langsameren Gangart der Konjunktur in Baden-Württemberg ist mit einer Entspannung auf dem Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten kaum zu rechnen. Der Bedarf an Fachkräften bleibt weiterhin ansteigend. Ein Viertel der Unternehmen plant, seine Belegschaft zu vergrößen. 63 Prozent wollen ihren Personlbestand konstant halten und lediglich knapp zwölf Prozent der Betriebe planen einen Personalabbau. Hinzu kommt, dass viele Unternehmen Ersatz für ausscheidende Fachkräfte suchen müssen, auch wenn sie keine neuen Stellen schaffen wollen. Laut IHK-Fachkräftemonitor werden in diesem Jahr 332.000 Fachkräfte fehlen, wodurch die Unternehmen jede dreizehnte Stelle nicht besetzten können. So drohen die Personalengpässe immer mehr zu einer Expansionsbremse zu werden. 


Der Blick in die Branchen:


Industrie. Nachfrage stagniert auf hohem Niveau

Die Stimmung in der Industrie hat sich erneut etwas eingetrübt. Zwar laufen die Geschäfte Dank voller Auftragsbücher weiterhin auf hohem Niveau, jedoch dämpfen sich weiter abschwächende Nachfrageimpulse die Lageeinschätzung sowie die Zuversicht ein wenig. Die aktuellen Tendenzen im Auftragseingang der Industrie aus dem In- und Ausland befinden sich nur noch leicht im Plus. Auch über diese Momentaufnahme hinaus rechnet die Branche mit geringeren Zuwächsen als bisher. Die Investitions- und Beschäftigungabsichten fallen weiterhin positiv, aber verhaltener aus als zuvor.


Bau: Der Höhenflug setzt sich fort

Die Bauwirtschaft bleibt auf Wachstumskurs. Vor allem die rege Nachfrage im Wohnungsbau sowie im gewerblichen Hochbau sorgt für volle Auftragsbücher. Der öffentliche Hochbau und der Tief- und Straßenbau verharren auf hohem Niveau. Die Bauproduktion tendiert weiter aufwärts, jedoch bremsen akute Personalengpässe 82 Prozent der Betriebe ein. Fast drei Viertel von ihnen befinden sich in einer guten, 26 Prozent in einer befriedigenden und ein Prozent in schlechter Lage. Die Branche erwartet gleich gute bis bessere Geschäfte. Personalbedarf und Investitionen nehmen leicht zu.


Großhandel zuversichtlicher als Einzelhandel

Steigende Umsätze und hohe Zufriedenheit kennzeichnen die Lage im Großhandel. Damit folgt er wie üblich der Geschäftsentwicklung seiner Kundschaft. So führt die langsamere Gangart der Industrie zu nur noch leicht aufwärts tendierenden Bestelleingängen sowie einer leichten Eintrübung der Perspektiven. Auch im Einzelhandel gelingt es derzeit nur wenigen Händlern, sich ein Stück vom wachsenden Einkommenskuchen der Konsumenten abzuschneiden. Folglich blicken die Einzelhändler eher skeptisch auf die kommenden Monate, während der Großhandel zuversichtlich bleibt.


Dienstleistungen bleiben gefragt

Die konjunkturelle Entwicklung im Dienstleistungssektor hat sich gegenüber letztem Herbst kaum verändert. Das Auftragsvolumen nimmt auf hohem Niveau mit leicht verringerter Dynamik weiterhin zu, so dass die Betriebe weiter hoch zufrieden sind und entsprechend zuversichtlich nach vorn schauen. Überdurchschnittlich gefragt sind derzeit die ITK- und Beratungsdienstleistung, die an der strategischen und technologischen Entwicklung ihrer Kunden ansetzen. Die Geschäfte der eng mit dem In- und Output verbundenen Dienstleister, wie Transporteure und Logistiker, haben dagegen an Schwung verloren.


Hotel- und Gaststättengewerbe: Verbesserte Lage

Die erste Winterhälfte ist für die Hotels und Gaststätten im Südwesten überwiegend gut verlaufen. Auch wenn die Zufriedenheit der Gastronomen auf hohem Niveau etwas bröckelt, sorgen steigende Gäste- und Übernachtungszahlen für positivere Stimmung der Hoteliers. Sechs von zehn Unternehmen melden derzeit eine gute Lage. Vom neuen Jahr versprechen sich die Hotelbetriebe, dass die Übernachtungszahlen hoch bleiben, vielleicht sogar noch etwas steigen. Die Gastronomen hegen dagegen leicht skeptische Erwartungen. Große Sorgen bereiten in beiden Bereichen die weiter wachsenden Fachkräfteengpässe.


Digitalisierung lässt ITK-Service brummen

Der Megatrend Digitalisierung lässt die Geschäfte der Anbieter von Informations- und Telekommunikationsdienstleistungen (ITK)  boomen. Steigende Auftragsvolumina, zunehmende Umsätze und wachsende Erträge führen zu einer erneuten Verbesserung der Lageurteile im ITK-Service. Hauptsorge bleibt für zwei Drittel der Unternehmen die Fachkräftegewinnung, sowie die mit der Knappheit steigenden Arbeitskosten. Zweifel an einer Fortsetzung des Booms hegt nur jeder 20. Betrieb, rund sechs von zehn ITK-Dienstleistern bleiben optimistisch. Die Personal- und Investitionspläne bleiben expansiv.



Baden-Württembergischer Industrie- und Handelskammertag
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