Wachsende Zuversicht

20. Mai 2015, von: BWIHK-Tag

Konjunkturbericht für Baden-Württemberg, Mai 2015

Die bisherigen Triebfedern der Südwestkonjunktur – das stabile Hoch am Arbeitsmarkt, ein steigender privater Konsum, rege Bauinvestitionen sowie kräftige Nachfrageimpulse aus dem Ausland – stützen auch im Frühsommer 2015 den anhaltenden Aufwärtstrend. Hinzu kommt der beständig niedrige Ölpreis, der den privaten Haushalten zusätzliche finanzielle Spielräume für anderweitige Anschaffungen lässt und vielen Unternehmen hilft, ihre Kosten im Griff zu behalten. Die kräftige Abwertung des Euros gegenüber dem US-Dollar der letzten Monate hat die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Unternehmen erhöht, was ihnen die Eroberung zusätzlicher Marktanteile bzw. die Erwirtschaftung steigender Umsätze und Gewinne ermöglicht. Diese günstigen Faktoren überdecken derzeit weitestgehend anhaltend negative Einflüsse, sei es die ungelöste Staatsfinanzierung Griechenlands, die Ukraine-Krise sowie die jüngsten die Wirtschaft belastenden Entscheidungen der Bundesregierung (Mindestlohn, Rente mit 63).

Darauf deuten sowohl die auf hohem Niveau nochmals leicht verbesserten Lageurteile der hiesigen Unternehmen, als auch ihre positiveren Erwartungen hin. Obwohl es fast jedem zweiten Betrieb bereits gut geht und nur noch jedes 17. Unternehmen mit dem Verlauf seiner Geschäfte unzufrieden ist (zu Jahresbeginn war es noch jedes 15.), wächst die Zuversicht für die kommenden zwölf Monate noch. Der Anteil der Optimisten ist seit Jahresbeginn um fünf Prozentpunkte auf 33 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist die Zahl der Pessimisten von zwölf auf neun Prozent zurückgegangen. Das zeigt die Mai-Konjunkturumfrage der baden-württembergischen IHKs, an der sich knapp 3.600 Unternehmen aus allen Branchen, Größenklassen und Landesteilen beteiligt haben.


Nachfragebelebung hebt die Stimmung

Das positive (welt-)wirtschaftliche Umfeld trägt zu einer positiven Grundstimmung vieler Unternehmen bei, ihre gestiegene Zuversicht stützt sich jedoch vor allem auf die jüngste Belebung der Nachfrage aus dem In- und Ausland. 35 Prozent der Betriebe profitieren derzeit von einem steigenden Auftragseingang, zu Jahresbeginn waren dies erst 28 Prozent. Zudem ist die Zahl der Unternehmen mit rückläufiger Nachfrage von 18 auf 14 Prozent zurückgegangen. Das Transport- und Verkehrsgewerbe meldet sich füllende Auftragsbücher sowohl in der Binnen- als auch der grenzüberschreitenden Beförderung. In der Industrie belebt sich die In- und Auslandsnachfrage ebenfalls. Die etwas stärkeren Impulse kommen dabei weiterhin aus dem Ausland, insbesondere aus den USA sowie Asien. Auch die Exporterwartungen für die Eurozone haben sich aufgehellt. Als Mittler zwischen herstellenden und abnehmenden Industriebetrieben profitiert derzeit der Großhandel mit Maschinen, Ausrüstungen und Zubehör in überdurchschnittlichem Maße von dieser positiven Nachfrageentwicklung: Entsprechend ist der Anteil von Großhändlern mit steigenden Bestelleingängen von 24 auf 43 Prozent geklettert. Sinkende Auftragseingänge melden lediglich zwölf Prozent der Unternehmen (-2 Prozentpunkte).


Investitionsneigung nimmt zu

Mangelnde Planungssicherheit, sowohl hinsichtlich der wirtschaftlichen als auch der politischen Marschrichtung, hat die Investitionspläne der meisten Unternehmen bislang auf niedrigem Niveau in Schach gehalten. Der Inlandsinvestitionsindikator, welcher die Differenz der Anteile von Unternehmen mit steigenden bzw. fallenden Investitionsbudgets abbildet, verharrte in den vergangenen eineinhalb Jahren bei 15 Punkten und zeigte damit nur leicht nach oben. Gewachsene Zuversicht scheint diese hartnäckige Investitionszurückhaltung nun langsam zu lösen, die Investitionsneigung ist im Frühsommer auf 22 Punkte gestiegen. Dabei planen sieben von zehn Unternehmen Ersatzinvestitionen, 39 Prozent der Betriebe wollen angesichts steigender Arbeitskosten und fehlender Fachkräfte Rationalisierungsmaßnahmen umsetzen. Die Realisierung von Innovationen ist für 36 Prozent der Unternehmen leitendes Motiv.

Die Politik wäre gut beraten, diese positive Tendenz durch eine investitionsfreundliche Wirtschaftspolitik zu verstetigen. So könnten finanzpolitische Spielräume, die durch die historisch niedrigen Zinsen sowie konjunkturell bedingte Mehreinnahmen entstehen, für Infrastrukturinvestitionen genutzt werden, um die hiesige Standortattraktivität zu erhöhen. Zudem könnte auch eine mittelstandsfreundliche Erbschaftsteuerreform die Planungssicherheit für Familienunternehmen erhöhen, die vor einem Generationswechsel stehen. So könnte auch deren Investitionsbereitschaft gestärkt werden. Dies würde ebenfalls dazu beitragen, dass die Südwestwirtschaft nicht nur in Boomphasen wie in diesem oder dem vergangenen Jahr ein Wirtschaftswachstum jenseits der zwei Prozent erreichen kann.


Personalaufbau setzt sich fort

Die Beschäftigung ist in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr zum fünften Mal in Folge seit der globalen Finanz- und Weltwirtschaftskrise gestiegen. Zwischen Dezember 2013 und Dezember 2014 erhöhte sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um rund 100.000 auf 4,32 Millionen – ein Zuwachs von 2,4 Prozent. Baden-Württemberg liegt damit um 0,3 Prozentpunkte über der gesamtdeutschen Entwicklung. Von diesen zusätzlichen Fachkräften entstammen (rechnerisch) über 96.000 der stillen Reserve oder sie sind aus anderen Bundesländern und dem Ausland zugewandert. Da Qualifikationen vieler Arbeitsloser weniger passgenau zu den betrieblichen Anforderungen sind, ging die registrierte Arbeitslosigkeit im Südwesten nur geringfügig zurück.

Der grundsätzlich positive Beschäftigungstrend dürfte sich auch 2015 weiter fortsetzen, denn die betrieblichen Personalpläne zeigen für die kommenden zwölf Monate weiterhin moderat nach oben. 21 Prozent der Unternehmen sind auf der Suche nach zusätzlichem Personal, fast zwei Drittel wollen ihre Belegschaften konstant halten. Lediglich 13 Prozent der Betriebe planen eine Verringerung ihres Personalbestandes. Generell bleibt der Fachkräftemangel ein großes Problem: Vier von zehn Unternehmen sehen in ihm ein wichtiges Geschäftsrisiko und fürchten Schwierigkeiten nicht nur bei Neueinstellungen, sondern ebenso beim Ersatz für ausscheidende Beschäftigte.


Steigende Auftragseingänge heben die Stimmung

Die Nachfrage aus dem In- und Ausland scheint allmählich in Schwung zu kommen. Der Auftragseingangsindikator hat sich mit einem Anstieg auf 22 Punkte seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt. Kräftige Impulse verspricht sich die Industrie vor allem aus den USA und Asien, aber auch in der Eurozone sowie im Inland haben sich die Absatzperspektiven aufgehellt. Folglich ist nicht nur die Zufriedenheit mit der aktuellen Lage auf hohem Niveau leicht gestiegen, auch die Erwartungen an die kommenden Monate und schließlich auch die Investitionsbereitschaft haben sich spürbar verbessert.


Der Blick in die Branchen:


Bau: Der Höhenflug setzt sich fort

Die leichte Nachfragedelle zu Jahresbeginn war nicht von Dauer. Im öffentlichen Hochbau hat sich der Auftragsschwund im Frühsommer 2015 spürbar verlangsamt, gewerblicher Hochbau, privater Wohnungsbau sowie Straßen- und Tiefbau melden schon wieder steigende Nachfrage nach ihren Bauleistungen. 98 Prozent der Betriebe rechnen damit, dass sich der Boom am Bau fortsetzt, lediglich zwei Prozent befürchtet eine Verschlechterung ihrer Geschäfte. Hauptsorge der Branche bleibt für sechs von zehn Unternehmen die mangelnde Verfügbarkeit von Fachkräften.


Einzelhandel holt auf

Steigende Umsätze haben die Zufriedenheit des Einzelhandels mit der aktuellen Lage merklich erhöht. Die Einzelhändler haben damit zum Großhandel aufgeschlossen, dessen Lageeinschätzung aufgrund stagnierender Umsätze nicht mehr ganz so positiv ausfällt wie noch zu Jahresbeginn. Zwar haben die Autohändler ihre Absatzflaute hinter sich gelassen, jedoch bleibt die Verbesserung der Marge eine zu lösende Herausforderung. Folglich reichen ihre Lageurteile noch nicht an die der anderen Handelssparten heran. Die Zahl der Händler, die optimistisch nach vorn blicken, ist aber in allen Sparten angestiegen.


Großhandel mit Maschinen und Ausrüstungen im Aufwind

Die Geschäfte des Großhandels mit Maschinen, Ausrüstungen und Zubehör verliefen zwar schon zu Jahresbeginn auf ordentlichem Niveau, scheinen im Frühsommer aber nochmals kräftig zugelegt zu haben. Steigende Umsätze im In- und Ausland haben die Zahl der Betriebe mit gut laufenden Geschäften von 43 auf 60 Prozent hochschnellen lassen. Da sich auch die Auftragsbücher im Maschinengroßhandel weiter füllen, rechnet inzwischen die Mehrheit der Betriebe mit einer weiteren Verbesserung ihrer Geschäfte. Zu Jahresbeginn war erst ein gutes Drittel der Unternehmen optimistisch.


Dienstleistungen: Leicht steigende Zuversicht auf hohem Ausgangsniveau

Auch wenn der Service seine Lageeinschätzung auf hohem Niveau minimal nach untern korrigiert hat, geht es im Frühsommer mehr als der Hälfte aller Unternehmen gut. Bei den kaufmännischen und rechtlichen Beratern gilt das für 62 Prozent, im ITK-Service sogar für 63 Prozent der Unternehmen. Die große Mehrheit der Dienstleister rechnet damit, dass ihre Geschäfte auf bisherigem Niveau weiter laufen. Fast ein Drittel der Betriebe blickt optimistisch nach vorn, nur jeder neunte Betrieb pessimistisch. Die Investitions- und Beschäftigungsabsichten bleiben aufwärts gerichtet.


Hotels und Gaststätten: Aufwärtstrend verliert an Schwung

war sind die Übernachtungszahlen und die Umsätze in der Hotellerie in den vergangenen Monaten weiter gestiegen, jedoch ist die Zahl der Betriebe zurückgegangen, die davon profitieren. Als Folge fällt das Zufriedenheitsniveau nicht mehr so extrem hoch aus wie zu Jahresbeginn. Die Gastronomen melden dagegen aktuell eine unverändert gute Situation. Die Zahl der Hoteliers und Gastronomen, die optimistisch nach vorn blicken, hat zwar insgesamt leicht zugenommen, wird jedoch vor allem gebremst durch die Sorge um steigende Arbeitskosten und den akuten Fachkräftemangel.


Weitere Infos zum Bericht und zur Konjunktur finden Sie hier.


Baden-Württembergischer Industrie- und Handelskammertag
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