BWIHK-Prognose: 266 Milliarden Euro Wertschöpfungsverlust durch Fachkräftemangel

15. Mai 2019

Vor allem Meister, Techniker, Betriebswirte und Fachkaufleute fehlen in Betrieben


Stuttgart, 15. Mai 2019 – „Von heute bis ins Jahr 2030 entgehen der Wirtschaft in Baden-Württemberg durch den Fachkräftemangel bis zu 266 Milliarden Euro an Wertschöpfung“, warnt Marjoke Breuning, Vizepräsidentin beim Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) und Präsidentin der IHK Region Stuttgart, der für Fragen der Konjunktur und Beschäftigung zuständigen Kammer im Land, mit Blick auf den IHK-Fachkräftemonitor 2019. Dieses Onlinetool unter www.fachkraeftemonitoring-bw.de liefert ab sofort eine aktualisierte Prognose für Fachkräfteangebot und -nachfrage in Baden-Württemberg, seinen Regionen sowie für einzelne Branchen, Berufe und Qualifikationsniveaus.

 Allein in diesem Jahr fehlen im Land 332.000 Fachkräfte, die in den Betrieben eine Wertschöpfung von 23,6 Milliarden Euro erzielen könnten. Das sind 5 Prozent der für 2019 erwarteten Bruttowertschöpfung (BWS) Baden-Württembergs. Im Jahr 2030 wird der Mangel an qualifiziertem Personal auf 522.000 Personen angewachsen sein, was einen Wertschöpfungsverlust von 40,2 Milliarden Euro in dem Jahr bedeuten würde (6,3 Prozent der erwarteten BWS). „Viele Südwestbetriebe können neue Aufträge nicht annehmen, weil ihnen schlicht qualifizierte Bewerber für freie oder neu geschaffene Stellen fehlen – so erklärt sich der immense Wertschöpfungsverlust in der Gesamtwirtschaft. Sechs von zehn Unternehmen im Land stufen den Fachkräfte-mangel als Geschäftsrisiko ein, wie wir aus unseren Konjunkturumfragen wissen“, so Breuning. Im Jahr 2019 schränken die Personalengpässe die Entwicklung in der Elektrotechnik, bei beratenden und wirtschaftsnahen Dienstleistern, in der Chemie- und Pharmaindustrie, bei Informations- und Kommunikationsdienstleistern sowie Betrieben aus Verkehr, Transport und Lagerei überdurchschnittlich ein. 2030 werden die Branchen Fahrzeugbau, beratende und unternehmensnahe Dienstleistungen, Gesundheits- und Sozialwesen, Großhandel, Öffentliche Dienstleistungen sowie der Maschinenbau besonders unter den Fachkräfteengpässen leiden.

 Hauptursache für die zunehmende Fachkräfteknappheit ist der demografische Wandel. Während immer mehr „Babyboomer“ in Rente gehen, rücken immer weniger Fachkräfte aus Berufsausbildung oder (Fach-)Hochschulen nach. In der Folge wird das Fachkräfteangebot innerhalb der elf Jahre bis 2030 um ein Fünftel schrumpfen. Sind es heute noch 4.083.000 Personen, werden 2030 nur noch 3.297.000 Qualifizierte für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Die Belegschaften der Unternehmen werden jedoch nicht nur kleiner, sie werden zudem immer älter: Das Durchschnittsalter der Beschäftigten wird zwischen 2019 und 2030 von 44,1 Jahre auf 46,6 Jahre ansteigen.

 Die IHKs im Land unterstützen ihre Mitgliedsbetriebe mit einem vielfältigen Angebot, um möglichst viele Potenziale auf dem Arbeitsmarkt zu nutzen. Zentrale Säulen sind dabei duale Ausbildung und berufliche Weiterbildung. Auch die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie birgt Potenziale bei der Beschäftigung vor allem von gut qualifizierten Frauen. Zudem setzen sich die Kammern für ein modernes Zuwanderungsgesetz ein, um die Anwerbung von Qualifizierten im Ausland zu erleichtern. Einen Überblick über die Angebote zur Fachkräftesicherung in Baden-Württemberg gibt es online unter www.fachkraeftesicherung-bw.de.

  

Kennzahlen für Baden-Württemberg im Überblick

 

Fachkräfteengpässe gesamt und nach Qualifikationsniveaus

 

Fachkräfteengpässe in Baden-Württemberg
    2019   2030
     Alle Fachkräfte   332.000   522.000
     Akademische Fachkräfte   42.000   43.000
     Beruflich Qualifizierte Fachkräfte   289.000   479.000
           mit hoher Qualif. (Meister, Fachwirte …)   105.000       155.000
           mit mittlerer Qualif. (Ausgebildete, Gesellen)   184.000   324.000

 

Fachkräfteengpässe 2019 nach Berufsgruppen

 Berufe mit absolut größtem Fachkräftemangel im Jahr 2019:

  • Büro- und Sekretariatsfachkräfte mit Berufsausbildung (41.000)
  • Meister/Techniker aus der Forschung und Entwicklung (30.000)
  • Maschinenbau- und Betriebstechnikfachkräfte mi Berufsausbildung (26.000)

Berufe mit absolut größtem Fachkräftemangel im Jahr 2030:

  • Büro- und Sekretariatsfachkräfte mit Berufsausbildung (53.000)
  • Meister/Techniker aus der Forschung und Entwicklung (48.000)
  • Erziehung, soziale und hauswirtschaftliche Fachkräfte mit Berufsausbildung (45.000)

Fachkräfteengpässe im Vergleich der Regionen

 

Fachkräfteengpässe in Baden-Württemberg 
Region   2019   2030
Baden-Württemberg   332.000   522.000
IHK Bodensee-Oberschwaben   19.000    31.000
IHK Heilbronn-Franken   25.000    45.000
IHK Hochrhein-Bodensee   12.000    24.000
IHK Karlsruhe   41.000    59.000
IHK Nordschwarzwald   14.000    25.000
IHK Ostwürttemberg   10.000    20.000
IHK Region Stuttgart   105.000      149.000
IHK Reutlingen   13.000    29.000
IHK Rhein-Neckar
  32.000    50.000
IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg   16.000    23.000
IHK Südlicher Oberrhein   26.000    44.000
IHK Ulm   21.000    25.000

 

Der IHK-Fachkräftemonitor ist ein Prognoseinstrument, das das Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR GmbH für die IHKs in Baden-Württemberg entwickelt hat und jährlich aktualisiert. Der aktuelle Fachkräftemonitor 2019 ist unter www.fachkraeftemonitoring-bw.de als interaktive Webanwendung kostenlos und ohne Anmeldung verfügbar. Mit der Webanwendung lässt sich die Fachkräfteentwicklung in repräsentativen Wirtschaftszweigen und Regionen anschaulich visualisieren und vergleichen. Für die Berichterstattung können Grafiken in unterschiedlichen Formaten sowie die dazugehörigen Daten direkt aus dem Fachkräftemonitor heruntergeladen werden, zum Beispiel:


Ansprechpartnerin für die Redaktionen:

BWIHK | FF Volkswirtschaft

IHK Region Stuttgart

Anke Seifert

Telefon: 0711 2005-1322

E-Mail: anke.seifert@stuttgart.ihk.de


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