Sorge um Engagement der Wirtschaft an den Hochschulen

15. November 2016

BWIHK bedauert Verfassungsgerichtsentscheidung zu Hochschulräten

Stuttgart, 15. November 2016 – Der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) bedauert die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs Baden-Württemberg zum Landeshochschulgesetz. „Die Minderung des Einflusses der Hochschulräte bei wichtigen Personalentscheidungen belastet ein gut geübtes Zusammenspiel von externen Vertretern und Vertretern der Hochschulen“, betont Andreas Richter, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart, der für bildungspolitische Fragen im BWIHK federführenden Kammer.

Es habe sich bewährt, dass auch die Wirtschaft in den Hochschulräten über die strategische Ausrichtung der Hochschulen mit entscheidet. Richter: „Wenn die Hochschulräte bei bestimmten Entscheidungen nur noch eine beratende Funktion haben, wird sich das auf das weitere Engagement der Wirtschaft negativ auswirken. Wer nichts mehr zu sagen hat, kommt nicht mehr.“ Die Hochschulen hätten nach Ansicht von Richter in der Vergangenheit davon profitiert, das der Wissenschaft aus der Sicht der Wirtschaft wichtige Ausbildungs- und Forschungsfragen nahegebracht wurden. Im Gegenzug wurde durch die Mitwirkung im Hochschulrat das Interesse der Wirtschaft an den Forschungsergebnissen und Ausbildungsleistungen der Wissenschaft geweckt. „In unseren Gesprächen mit Hochschulvertretern wird uns immer wieder bestätigt, wie sehr das Engagement der Wirtschaft in den eigenen Einrichtung geschätzt und begrüßt wird.“

Die jetzige Entscheidung der Richter muss wohl als Rückschritt in den gegenseitigen Beziehungen gewertet werden. Vor dem Hintergrund des Arbeitsmarkts und des wachsenden Fachkräftemangels steige die Bedeutung der Hochschulräte. Die Hochschulen bräuchten deshalb starke Hochschulräte. Richter weist auch darauf hin, dass das bewährte Zusammenspiel von Wissenschaft und Wirtschaft oft zu zusätzlichen drittmittelfinanzierten Forschungsprojekten führt. „Das bringt viele wissenschaftliche Disziplinen in Umfang und Tempo weiter als dies allein durch die öffentliche Hand möglich wäre“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer. Richter appelliert an die Landesregierung, bis zum vom Gericht vorgegeben Zeitpunkt im März 2018 das Landeshochschulgesetz so zu reformieren, dass „externe Fachleute aus der Wirtschaft weiterhin mit Freude und Engagement in den Hochschulräten mitwirken können“. Dies dürfte allerdings bei den Vorgaben des Verfassungsgerichtshofs nicht einfach werden.


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IHK Region Stuttgart
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