IHKs begrüßen die innovationspolitischen Impulse des Technologiebeauftragten der Landesregierung Baden-Württemberg

22. November 2018

Grenke: „Mehr öffentliche Forschungsinvestitionen, höhere Transparenz im Technologietransfer und Beseitigung von Förderlücken sind wichtige Schritte für ein zukunftsfestes Baden-Württemberg.“


Stuttgart, 23. November 2018 – „Mit seinen Innovationspolitischen Impulsen hält uns Prof. Bauer als Beauftragter für Technologie der Landesregierung einen „Spiegel“ vor der zeigt, dass wir trotz der bisherigen Innovationserfolge Baden-Württembergs vor großen Herausforderungen stehen“, kommentiert Wolfgang Grenke, Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags und der bei Technologiethemen federführenden IHK Karlsruhe die Veröffentlichung der innovationspolitischen  Handlungsempfehlungen.  

„Auf die Bedeutung unserer öffentlichen Forschungsinfrastruktur als ein Pfeiler der Innovationsfähigkeit Baden-Württembergs und die Notwendigkeit zusätzlicher Investitionen der öffentlichen Hand haben die IHKs bereits hingewiesen. Es ist zu begrüßen, dass der Technologiebeauftragte dies ebenso bewertet“, so Grenke.
Neben den Hochschulen muss auch die anwendungsnahe Forschung in Baden-Württemberg weiter gestärkt werden. Das gilt zum Beispiel für die Institute der Fraunhofer-Gesellschaft oder der Innovationsallianz Baden-Württemberg. „Prof. Bauer weist zu Recht darauf hin, dass die letzte Fraunhofer-Institutsgründung in Baden-Württemberg bereits mehr als 25 Jahre zurückliegt. Im Kontext der kürzlich veröffentlichten Strategie Künstliche Intelligenz (KI) der Landesregierung haben die IHKs die Gründung eines neuen Fraunhofer-Instituts mit KI-Fokus in Baden-Württemberg angeregt“, erklärte Grenke.

Dass es Nachholbedarf gibt, zeigt auch die in den Innovationspolitischen Impulsen angesprochene Innovationsdynamik, die in Baden-Württemberg derzeit mindestens stagniert. Und der Mittelstand läuft Gefahr, gegenüber den großen Unternehmen bei Innovationen weiter an Boden zu verlieren. „Unsere IHK-Zahlen haben bereits vor einigen Jahren gezeigt, dass ein zunehmender Anteil an Unternehmen Schwierigkeiten hat, in Forschung und Entwicklung (FuE) zu investieren. Einer ebenfalls zunehmenden Zahl an Unternehmen gelingt es dagegen, ihr Innovationspotenzial über die Zeit durch umsatzanteilig höhere FuE-Investitionen weiter zu steigern. Es gibt de facto eine „FuE-Investitionsschere“, die sich weiter öffnet. Am weitesten klafft sie bei den kleinen Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern auseinander“, berichtet Wolfgang Grenke. „Bedenklich ist, dass der Unterschied bei den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) am größten ist. Denn sie sind bisher das „Rückgrat“ der baden-württembergischen Wirtschaft und stellen das Gros unserer sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze. Es besteht offensichtlich die Gefahr, dass viele KMU beim Thema Innovationen abgehängt werden. Wir müssen hier möglichst schnell eine Trendumkehr erreichen“, fordert Grenke.
Die zunehmende Komplexität von Produkten und Dienstleistungen, immer kürzere Innovationszyklen und der Wandel hin zu digitalen Geschäftsmodellen machen es für kleine und mittlere Unternehmen zunehmend schwieriger, Innovationen im Alleingang zu entwickeln. IHK-Untersuchungen zeigen hier, dass die Unternehmen deshalb verstärkt auf Kooperations- und Innovationspartner, etwa andere Unternehmen, Hochschulen, Universitäten oder außeruniversitäre Forschungseinrichtungen setzten. Der Austausch und Transfer von Wissen und Technologien wird wichtiger.
Ideen und Wissen schneller von der Forschung in die Unternehmen zu bringen, das geht, wie in den innovationspolitischen Impulsen betont und von den IHKs wiederholt eingefordert, nur mit mehr Transparenz.

„Wir regen eine Gesamtübersicht von Förder- und Unterstützungsmaßnahmen der öffentlichen Hand für die Unternehmen in Baden-Württemberg an. Dazu sollten die heute noch im Internet „verstreuten“ Informationen möglichst automatisiert in einer „Metaplattform Technologietransfer“ mit den Infosäulen „Förderprogramme“, „Transferakteure“ und „Projekte“, an denen sich Unternehmen auch unabhängig von Förderung beteiligen können, gebündelt werden. Die vom Technologiebeauftragten der Landesregierung bereits vor einiger Zeit installierte Technologietransfer-Landkarte kann eine Basis sein“, schlägt Wolfgang Grenke vor.

Gleichzeitig ist wichtig, dass das Forschungswissen bei den kleinen und mittleren Unternehmen ankommt. Dazu braucht es zusätzliche Kapazitäten für Technologietransfer bei den Hochschulen. „Die IHKs unterstützen die Unternehmen seit vielen Jahren im Technologietransfer, seit einiger Zeit zum Beispiel auch verstärkt durch zusätzliche, vom Land geförderte Technologietransfer-Manager bei einigen IHKs. Der wirtschaftsseitig getriebene Transfer muss bei der Wissenschaft aber auch „andocken“ können. Ein gutes Beispiel wie das gelingt, ist die Innovationsallianz für die TechnologieRegion Karlsruhe. Die IHKs sprechen sich deshalb für die Ansiedlung von Technologietransfermanagern mit Schwerpunkt auf kleine und mittlere Unternehmen an den Hochschulen aus“, fordert BWIHK-Präsident Grenke.
Bereits vor einiger Zeit haben die IHKs darauf hingewiesen, dass bei der Forschungsförderung für hiesige Unternehmen eine Förderlücke zwischen den Innovationsgutscheinen des Landes und dem ZIM-Programm des Bundes besteht. Der Technologiebeauftragte der Landesregierung sieht ebenfalls Handlungsbedarf. Seiner Ansicht nach sollten die Übergänge zwischen den bestehenden Programmen harmonisiert und Förderlücken geschlossen werden. Aus IHK-Sicht halten wir einen Innovationsgutschein mit höherer Fördersumme, beispielsweise 40.000 Euro, für notwendig, um die Förderlücke zum ZIM-Programm des Bundes zu schließen. Darüber hinaus sollten die Gutscheine auf Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern ausgeweitet werden, um die Breitenwirkung zu erhöhen“ fordert Grenke.

Um die Attraktivität Baden-Württembergs als Standort für unternehmerische Forschung und Entwicklung zu erhöhen, braucht es neben der bewährten Projektförderung weitere Anreize. „Wir sehen hier zuvorderst die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung für Unternehmen. Derzeit stehen die Zeichen dafür auf Bundesebene gut. Deshalb ermutige ich die Landespolitik, sich beim Bund weiterhin nach Kräften für eine möglichst wirtschaftsfreundliche und unbürokratische Lösung einzusetzen“, so Grenke.

Unstrittig ist die Bedeutung der baden-württembergischen Industrie als Rückgrat unserer Wirtschaft. „Wenn wir unseren Wohlstand sichern wollen sind wir gut beraten, unsere Unternehmen bei der Transformation hin zur datengetriebenen digitalen Wertschöpfung bestmöglich zu unterstützen“, mahnt Grenke. „Wie Prof. Bauer richtigerweise feststellt, braucht es dafür die „Stärkung von Stärken“ und einen Fokus auf neue Schlüsseltechnologien. Ich gebe jedoch zu bedenken, dass eine allzu starre Konzentration der öffentlichen Wirtschaftsförderung auf einzelne Technologiefelder mittelfristig am Bedarf der Unternehmen vorbeigehen kann, etwa bei technologischen Sprüngen. Eine agile Wirtschaft braucht eine agile Wirtschaftsförderung. Deshalb sollte uns Technologieoffenheit weiter wichtig sein“, so Grenke weiter. Und grundsätzlich gilt: Digitale Bildung und international wettbewerbsfähige Infrastrukturen sind die Basis für ein Baden-Württemberg, das auch im Zeitalter digitaler Innovation erfolgreich ist. Den innovationspolitischen Handlungsempfehlungen von Prof. Bauer stimmen wir hier uneingeschränkt zu“, so Grenke abschließend.


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BWIHK | FF Technologie & Innovation
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