IHKs unterstützen Flüchtlinge beim Start in den Beruf - Mit Profilchecks Beratungen und Kompetenzanalysen in die Ausbildung

1. September 2016

Stuttgart, 1. September 2016. Die baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern (IHKs) setzen sich dafür ein, Flüchtlinge in Ausbildung und Beschäftigung zu bringen. Mit Profilchecks und individuellen Einzelberatungen erfassen beispielsweise die IHKs Ulm, Schwarzwald-Baar-Heuberg und Ostwürttemberg, welche Berufswünsche und Eignungen die Asylbewerber haben. Um Flüchtlingen den Start in eine Ausbildung zu erleichtern, bieten zum Beispiel die IHK Karlsruhe und die IHK Hochrhein-Bodensee spezielle Vermittlungen in Einstiegspraktika an. Eine Analyse gewerblicher und technischer Kenntnisse führt die IHK Region Stuttgart durch. 24 Asylsuchende haben bei dem zweistufigen Kompetenztest, der aus einem Basistest und einem darauf aufbauenden gewerblichen Test besteht, bereits teilgenommen. Sie kommen aus Syrien, Eritrea, Afghanistan, dem Iran, Irak und Togo. Die Teilnehmer beantworteten in beiden Tests im Durchschnitt rund 30 Prozent der gesamten Fragen richtig. 

„Die Stärke der IHKs ist die große Bandbreite an praxisnahen Aktionen. Wir sind nah an den Unternehmen dran und wissen, was ein Ausbildungsbewerber können muss“, sagt Andreas Richter, Hauptgeschäftsführer der IHK Region Stuttgart und Federführer Ausbildung im Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag (BWIHK). „Mit diesen Einstiegshilfen, die die IHK anbietet“, sagt Richter, „haben es Asylbewerber leichter, ein Praktikum zur Einstiegsqualifizierung zu bekommen.“ Die Einstiegsqualifizierung (EQ) ist ein betriebliches Praktikum, das sechs bis zwölf Monate dauert und seit 1. August 2016 mit 231 Euro monatlich vergütet wird. Die Agentur für Arbeit fördert finanziell Betriebe mit EQ-Praktikanten. 

Die meisten der nach Europa geflüchteten Menschen haben keine offiziellen Dokumente oder Nachweise über ihre beruflichen Qualifikationen und Berufsabschlüsse. „Das ist ein klares Hindernis auch für viele Unternehmen“, so Andreas Richter. „Selbstauskünfte der Flüchtlinge reichen nicht aus.“ Die frühzeitige Erfassung von Kompetenzen sei entscheidend für eine rasche Integration in den Arbeitsmarkt. Sie sei Voraussetzung für den Beginn einer Ausbildung, die Anerkennung von beruflichen Qualifikationen, das Vermitteln von nötigen Nachqualifizierungen oder die zügige Vermittlung eines passenden Arbeitsplatzes, so Richter. Der zweistufige Kompetenzfeststellungstest, der vom U-Form-Verlag Solingen entwickelt wurde, fragt technisches Verständnis und Rechenkenntnisse ab. Der Basistest am PC dauert etwa eineinhalb Stunden, für den darauf aufbauenden gewerblichen Test in Papierform haben die Teilnehmer eine Stunde Zeit.  

Bevor Flüchtlinge an der Kompetenzanalyse teilnehmen, spricht das IHK-KAUSA-Team (Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration) ausführlich mit den Interessenten. Sie werden grundlegend beraten über die Möglichkeiten, in den deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt einzutreten. Weitere Voraussetzung für die Testteilnahme ist das Sprachverständnis B1 nach dem europäischen Referenzrahmen, also die selbstständige Anwendung der deutschen Sprache. Testsprache des Basistests ist deutsch, der tiefergehende gewerbliche Test wird auch auf Englisch und Arabisch angeboten.  

Beispielhaft für den Erfolg der Flüchtlingshilfe der baden-württembergischen IHKs ist ein in Stuttgart lebender Flüchtling aus Togo. Der 24-Jährige hat eine Leidenschaft, der er neun Jahre lang in seinem Heimatland nachgegangen ist: Fahrräder reparieren. Momentan absolviert er ein Schnupperpraktikum bei einem Stuttgarter Unternehmen, das Fahrräder verkauft und repariert. In beiden Tests der IHK-Kompetenzfeststellung hat er hervorragend abgeschnitten und wird voraussichtlich in ein EQ-Praktikum bei dem Unternehmen übernommen.


Ansprechpartner für die Redaktionen:

IHK Region Stuttgart 
Anke Seifert
Telefon 0711 2005-1322 
E-Mail: anke.seifert@stuttgart.ihk.de 



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