Konjunktur: Stimmung im Südwesten trübt sich ein

23. Mai 2019

Vizepräsidentin Breuning: Entwicklung am Arbeitsmarkt weiter positiv

Stuttgart, 23. Mai 2019 – Die kräftig stagnierende Absatzdynamik bei den Betrieben im Südwesten drückt auf die Stimmung. Zwar ist die Zufriedenheit der Unternehmen mit ihrer aktuellen Situation weiterhin auf sehr hohem Niveau, jedoch ist sie gegenüber dem Jahresbeginn merklich zurückgegangen. Auch die Aussichten sind für viele Betriebe nicht mehr so rosig wie noch vor vier Monaten. Allerdings geht die Industrie davon aus, Inlandsumsätze und Exporte auf hohem Niveau halten zu können. Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiterhin sehr positiv, auch wenn die Mehrheit der Unternehmen nun mit konstanten Belegschaften zurechtkommen will. Das ergab die aktuelle Konjunkturumfrage des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK), an der sich rund 3.600 Unternehmen aus allen Branchen, Größenklassen und Landesteilen beteiligt haben.

„Viele Unternehmen im Land treibt die Sorge um, dass sich die aktuellen Entwicklungen der Weltwirtschaft, wie beispielsweise vermehrter Protektionismus und drohende Strafzölle sowie weitere anhaltende Unklarheiten beim Brexit, negativ auf ihre Geschäfte auswirken könnten“, sagt Marjoke Breuning, Präsidentin der IHK Region Stuttgart, der beim BWIHK für volkswirtschaftliche Fragen zuständigen Kammer. So schätzt aktuell rund die Hälfte der befragten Betriebe ihre Lage gut ein. Zu Jahresbeginn waren es noch 57 Prozent. Befriedigend bewerten 44 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Situation (Jahresauftakt: 38 Prozent) und ein Prozentpunkt mehr als zum Jahresbeginn, nämlich 6 Prozent, sehen sich in schlechter Lage. Auch die Erwartungen haben sich bei mehr Unternehmen als noch zum Start des Jahres leicht eingetrübt. So geht für die nächsten 12 Monate nur noch ein Viertel der Befragten von besseren Geschäften aus, im Januar waren es noch 28 Prozent. 58 Prozent erwarten eine gleichbleibende Geschäftsentwicklungen (Jahresbeginn:
60 Prozent) und 17 Prozent, gegenüber 13 Prozent im Januar, erwarten eine Verschlechterung.

Noch deutlicher wird die Entwicklung bei der Betrachtung der Nachfrage. Demnach ist der Anteil der Südwestbetriebe, die weiterhin von einer steigenden Nachfrage profitieren, von 29 auf 27 Prozent gesunken. Fast die Hälfte der Befragten melden jedoch stagnierende, knapp ein Viertel sinkende Auftragseingänge – ein Anstieg um 8 Prozentpunkte gegenüber der letzten Umfrage.

Auch die Industrie bekommt die nachlassende Nachfragedynamik aus dem In- und Ausland zu spüren – insbesondere die Hersteller von Maschinen und Ausrüstungen sowie deren Zulieferer. Anders als in den anderen Branchen nimmt die Nachfrage nach Industrieerzeugnissen jedoch bereits ab. Über ein Drittel der Industriebetriebe meldet schwindende Auftragseingänge, nur jeder fünfte Betrieb registriert steigende Nachfrage. Allerdings geht die Branche davon aus, dass der Nachfrageschwund die derzeitig negative Auftragseingangstendenz nicht von Dauer sein wird ist und die Exporte auf dem bisherigen hohen Niveau gehalten werden können.

Dank Lohnsteigerungen und niedriger Inflationsrate können binnen- und konsumorientierte Wirtschaftszweige sich bislang den negativen Einflüssen erfolgreich entgegenstemmen und die ungünstigen Entwicklungen anderen Branchen die negative Nachfragetendenz kompensieren. So bleibt der Handel insgesamt zufrieden. Während der konsumorientierte Großhandel optimistische Erwartungen an die kommende Geschäftsentwicklung hat, gehen Einzel- und produktionsnaher Großhandel von einer eher gleichbleibenden Entwicklung aus.

In der Bauwirtschaft steigen Nachfrage und Produktion sogar weiter an. Angesichts des immer noch hohen Immobilienbedarfs rechnet der Bau bis auf Weiteres mit einer Fortsetzung des Booms. Auch bei vielen Dienstleistungen bleibt die Nachfrage kräftig, jedoch sinkt der Anteil der Betriebe, die daran teilhaben. Während der anhaltende Digitalisierungstrend in der Informations- und Kommunikationsbranche für Optimismus sorgt, schauen Transportbetriebe und Zeitarbeitsfirmen eher kritisch auf die kommenden 12 Monate. Letztere leiden, wie auch die Hotel- und Gaststättenbranche, unter fehlendem Fachpersonal. Aber auch abnehmende Zimmerauslastung und Umsätze sowie steigende Kosten haben die Stimmung verschlechtert.

Der Arbeitsmarkt entwickelt sich zwar etwas langsamer, jedoch weiterhin positiv. Mit einer Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent nähert sich der Südwesten der Vollbeschäftigung. Die meisten Betriebe wollen in den kommenden Monaten vorerst mit Belegschaften auf gleichbleibendem Niveau arbeiten. Personal aufbauen will noch rund ein Fünftel (Jahresbeginn: ein Viertel) der Betriebe. Knapp 16 Prozent müssen Stellen abbauen, im Gegensatz zu 12 Prozent am Jahresanfang. Auch machen Fachkräfteengpässe sechs von zehn Betrieben Sorgen. „Viele Betriebe suchen Ersatz für ausscheidende Fachkräfte, auch wenn sie derzeit keine neuen Stellen schaffen“, sagt die IHK-Präsidentin.

Den vollständigen Konjunkturbericht finden Sie hier.


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