Trotz stabiler Azubizahl: Betriebe müssen bei Berufswahl Wege zu den Eltern finden - BWIHK: Bessere Orientierung von Bewerbern kann Umwege vermeiden

14. November 2016

Zumeldung zum heutigen Spitzengespräch Ausbildung

Stuttgart, 14. November 2016 – Mit mehr als 45.250 in diesem Jahr neu eingetragener Ausbildungsverträge in gewerblich-technischen und kaufmännischen Ausbildungs-berufen konnte landesweit das Niveau des Vorjahres im Bereich der Industrie- und Handelskammern aufrechterhalten werden. Trotz weiterhin sinkender Zahl von Schulabgängern haben die Ausbildungsbetriebe in Baden-Württemberg bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen ein leichtes Plus von 0,1 Prozentpunkten gegenüber 2015 erreicht. „Das Engagement für die Ausbildung ist in der Wirtschaft  ungebrochen“, sagt Andreas Richter, Hauptgeschäftsführer der beim Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) zum Thema Ausbildung federführenden IHK Region Stuttgart. Richter: „Vor allem kleine Betriebe haben nach wie vor große Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen.“ Immer mehr Betriebe verstärkten daher ihr Ausbildungsmarketing, geben Nachhilfe für Azubis und sprechen neue Zielgruppen wie zum Beispiel Studienabbrecher an. Aber auch die mangelhafte Ausbildungsreife vieler Bewerber mache insbesondere kleineren Unternehmen zu schaffen. „Weil kleine Betriebe weniger bekannt sind, müssen sie oft noch mehr Abstriche bei der Qualifikation ihrer künftigen Azubis machen“, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Immer wichtiger werde es zugleich, nicht nur mit Schülern und sondern vor allem auch mit den Eltern bei der Berufswahl ins Gespräch zu kommen. Während Betriebe und IHKs über Lehrstellenbörsen sowie zahlreiche Informations- und Kontaktangebote gute direkte Austauschmöglichkeiten mit den Jugendlichen finden, sei ein direkter Kontakt mit den Elternhäusern vergleichsweise immer noch unterentwickelt. „Gemessen am hohen Einfluss, den Eltern auf die Berufswahl haben, wäre es wünschenswert, sich auch hier austauschen zu können“, so Richter. Kontakt zu den Eltern sei indes fast nur über die Schulen möglich.

Die duale Ausbildung sei eine der wirksamsten Maßnahmen für Unternehmen, um sich den nötigen Fachkräfte-nachwuchs zu sichern. Eine bessere Unterstützung bei der beruflichen Orientierung für Schülerinnen und Schüler – insbesondere für Gymnasiasten – ist dabei laut Richter ein grundlegender Baustein: „Je klarer die Kenntnisse der Inhalte eines Berufes und einer Ausbildung sind, desto besser gelingt es, die richtige Wahl zu treffen.“ Die Kammern hoffen daher auf bessere Berufsorientierung von Bewerbern mit der Einführung des neuen Schulfachs „Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung“ im September. „Wir hoffen, dass es mit der Zeit Wirkung zeigt und sich die Berufsorientierung der Schüler verbessert“, so Richter. Gleichzeitig fordern die Kammern auch die Einführung eines „Tags der Berufsbildung“ an allgemeinbildenden Schulen, um den Wert der beruflichen Bildung weiter zu steigern und als echte Alternative zu Abitur und Studium in der Gesellschaft zu verankern.

Die IHKs unterstützen ihre Ausbildungsbetriebe mit unterschiedlichsten Angeboten bei der Suche und Vermittlung von Auszubildenden, wie zum Beispiel in dem Stuttgarter IHK-Projekt „Azubi gesucht?“. Viele Unternehmen haben diese Unterstützung bereits erfolgreich in Anspruch genommen und ihre Ausbildungsplätze besetzt. Gerade auch für kurz-fristig freigewordene Stellen bietet der IHK-Service beste Chancen für eine schnelle Neubesetzung. Für Jugendliche, die noch keine ausreichende Ausbildungsreife besitzen, besteht seit einigen Jahren die Möglichkeit, über ein Praktikum zur Einstiegsqualifizierung (EQ) an einen Ausbildungsplatz zu gelangen. Die Jugendlichen absolvieren dabei ein sechs- bis zwölfmonatiges Praktikum in einem Unternehmen und damit Teile eines anerkannten Ausbildungsberufs, wofür die IHK ein Zertifikat ausstellt. Das Modell ist auch eine Chance für Flüchtlinge, sich in den hiesigen Arbeitsmarkt zu integrieren.


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IHK Region Stuttgart
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