IHKs vermitteln mehr als 300 Geflüchtete in Praktikum und Ausbildung - "Kümmerer“ beraten und unterstützen bei der Integration in den Beruf

1. September 2016

Stuttgart, 1. September 2016. Das Engagement für junge Flüchtlinge durch die sogenannten „Kümmerer“ bei den baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern (IHK) sorgt für erste Erfolge: Seit Beginn des Jahres konnten rund 210 Geflüchtete in ein Praktikum, etwa 70 in eine Einstiegsqualifizierung zur Vorbereitung einer Ausbildung und rund 65 in eine Berufsausbildung vermittelt werden. Mehr als 20 Personen wurden auf ihrem Weg in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis an eine weiterführende Schule, in ein Studium oder Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) unterstützt. Insgesamt mehr als 1.100 Flüchtlinge hatten mindestens für eine Erstberatung Kontakt zu den „Kümmerern“. Ihre Aufgabe ist es, junge Flüchtlinge mit Bleibeperspektive, guten Sprachkenntnissen und generell geringem Förderbedarf durch individuelle Beratung und Betreuung rasch in eine Ausbildung zu bringen. „Wir leisten einen wichtigen Beitrag zur Integration, wenn die ankommenden jungen Menschen schnell und nachhaltig im Arbeitsmarkt Fuß fassen. Eine duale Ausbildung bietet ihnen langfristig sehr gute berufliche Perspektiven“, sagt Andreas Richter, Hauptgeschäftsführer der IHK Region Stuttgart und Federführer Ausbildung im Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag (BWIHK).  

Die elf Kümmererstellen bei baden-württembergischen IHKs werden im Rahmen des Projekts „Integration durch Ausbildung – Perspektiven für Flüchtlinge“ des Wirtschafts-ministeriums des Landes finanziert. Seit 1. Januar 2016 und vorerst bis 31. Dezember 2017 wurden mit dem Programm landesweit insgesamt 37,5 solcher Stellen geschaffen, die bei verschiedenen Trägern angesiedelt sind. Die meisten Kammern beschäftigen einen Kümmerer, bei der IHK Heilbronn-Franken und der IHK Ulm wurden je zwei Stellen geschaffen, bei der IHK Region Stuttgart drei - und zwar jeweils eine in ihren Bezirkskammern Böblingen, Göppingen und Ludwigsburg. 

Zu den Tätigkeiten der „Kümmerer“ gehören Informationsveranstaltungen in VABO-Klassen (Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf für Jugendliche ohne Deutschkenntnisse) der Berufsschulen, um interessierte Flüchtlinge zu gewinnen. Die „Kümmerer“ stehen ihnen für eine längerfristige persönliche Betreuung zur Verfügung, um Orientierungshilfe im deutschen Bildungssystem und Arbeitsmarkt zu geben. Ziel ist die Vermittlung in passende Praktikums-und Ausbildungsplätze, indem die „Kümmerer“ bestehende Qualifikationen und Interessen anfragen, bei der Bewerbung unterstützen und Betreuung während eines Praktikums oder beim Ausbildungsbeginn leisten. Abgerundet wird ihr Angebot durch Hilfe beim Kontakt mit anderen unterstützenden Stellen und Behörden. Zudem suchen zahlreiche Unternehmen und Ehrenamtliche Information und Beratung bei den „IHK-Kümmerern“.

Ein ungeklärter Aufenthaltsstatus und mangelnde Deutschkenntnisse sind Herausforderungen bei der Vermittlung der Flüchtlinge – auch weil diese teils lange auf einen Platz in einem Sprachkurs warten müssen. Im ländlichen Raum stellen weite Entfernungen zwischen Ausbildungsbetrieb und Wohnort eine weitere Schwierigkeit dar. Zudem erleben die „Kümmerer“, dass die jungen Menschen wenig über das Bildungssystem und den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt in Deutschland wissen, woraus unrealistische Berufswünsche und Erwartungen an den Arbeitsalltag resultieren. Auch erscheinen ihnen eine reguläre Beschäftigung oder Abitur und Studium attraktiver als die duale Ausbildung. Außerdem gilt es kulturelle Barrieren zu überwinden. „Der Einsatz der `Kümmerer` ist wichtig, denn nur mit individueller und längerfristiger Betreuung können verschiedene Hürden auf dem Weg in den Arbeitsmarkt gemeistert werden“, erklärt Richter.


Ansprechpartner für die Redaktionen:

IHK Region Stuttgart 
Anke Seifert
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E-Mail: anke.seifert@stuttgart.ihk.de 



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