IHK-Online-Umfrage 2018 zur Aus- und Weiterbildung - Ergebnisse

18. Juli 2018, von: BWIHK-Tag

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Umfrageergebnisse


Die IHK-Organisation hat erneut Unternehmen zu ihren Aus- und Weiterbildungserfahrungen befragt. Bundesweit haben sich 10.335 Unternehmen an der Online-Umfrage beteiligt. In Baden-Württemberg waren es 1.674 und in der Region Stuttgart 355 Unternehmen. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse für die Region Stuttgart:

Besetzung der Ausbildungsplätze bleibt schwierig
In mehr als jedem vierten Unternehmen bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt. Damit bleibt es für die Unternehmen eine große Herausforderung, ihre Fachkräfte über die Ausbildung von eigenem Nachwuchs zu sichern. Dabei unterscheiden sich die Branchen. Die Lage im Handel hat sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert. Banken und Versicherungen haben Probleme, freie Plätze zu besetzen. Sehr verbessert hat sich die Situation im Baugewerbe.

Viele Unternehmen stehen ohne Bewerbungen da
Fast jedes fünfte Unternehmen (18,6 Prozent), das nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen konnte, erhielt gar keine Bewerbungen mehr. Mehr als drei Viertel der Unternehmen (79,7 Prozent, Vorjahr 74,7 Prozent), die Plätze nicht besetzen konnten, erhielten keine geeigneten Bewerbungen.

Die Unternehmen packen es an
Auf vielfältige Weise versuchen die Unternehmen Bewerber für die betriebliche Ausbildung zu gewinnen. Neben dem Angebot von Praktikumsplätzen (57,9 Prozent, Vorjahr 54,3 Prozent) verbessern Unternehmen ihr Ausbildungsmarketing (55,9 Prozent, Vorjahr 47,6 Prozent) und erschließen in zunehmendem Umfang neue Bewerbergruppen wie Studienabbrecher (51,7 Prozent, Anstieg seit 2014 um fast 16 Prozentpunkte) und Flüchtlinge (25,5 Prozent, Vorjahr 18,5 Prozent). Immer mehr Unternehmen bieten ihren Auszubildenden finanzielle oder materielle Anreize (13,8 Prozent, Vorjahr 9,7 Prozent).

Weniger Betriebe stellen Ausbildungshemmnisse fest
Ausbildungshemmnisse stellen noch 36,6 Prozent der Unternehmen (Vorjahr 37,2 Prozent) fest. Dass Bewerber zu unklare Vorstellungen vom Beruf haben, ist für diese Unternehmen mit Abstand das größte Ausbildungshemmnis (78,2 Prozent, Vorjahr 73 Prozent). Immer mehr dieser Unternehmen führen an, dass Absolventen trotz Übernahmeangebot das Unternehmen nach der Ausbildung verlassen (48,2 Prozent, Vorjahr 30,3 Prozent).

Besorgniserregender Trend – Ausbildungsreife verschlechtert sich weiter
95,6 Prozent der Betriebe konstatieren Mängel bei den Schulabgängern (Vorjahr 93,2 Prozent). Bemängelt werden vor allem das mündliche und schriftliche Ausdrucksvermögen (69,9 Prozent), die Leistungsbereitschaft und Motivation (62,1 Prozent), die Belastbarkeit (58,3 Prozent), die Disziplin (54,9 Prozent) sowie die Umgangsformen (43,9 Prozent). In allen Bereichen hat sich die Ausbildungsreife verschlechtert.

Unternehmen geben auch leistungsschwächeren Schulabgängern eine Chance
Die Bereitschaft leistungsschwächere Schulabgänger auszubilden besteht weiterhin. Vier von fünf Unternehmen geben an, dass sie Leistungsschwächere fördern oder integrieren. Unternehmen begegnen der mangelnden Ausbildungsreife mit eigenem Nachhilfeangebot (40,7 Prozent), 37,1 Prozent nutzen ausbildungsbegleitende Hilfen der Agentur für Arbeit und 17,7 Prozent bieten betriebliche Einstiegsqualifizierungen (EQ) an. 28,7 Prozent helfen auch ohne öffentliche Unterstützung.

Flüchtlinge tragen zur Fachkräftesicherung bei
16,4 Prozent der Unternehmen bilden Flüchtlinge aus (Vorjahr 10,9 Prozent). 17 Prozent (Vorjahr 20,2 Prozent) planen dies in den nächsten zwei Jahren.
Praktika und Einstiegsqualifizierungen, um geflüchteten Menschen den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern, bieten 18,5 Prozent an (Vorjahr 20,2 Prozent). 6,3 Prozent planen es in den kommenden zwei Jahren (Vorjahr 8,1 Prozent).

Unternehmen würdigen die Arbeit der Berufsschulen
Grundsätzlich zeigen sich die Unternehmen mit der Arbeit ihrer Partner in der dualen Ausbildung, den Berufsschulen, zufrieden oder sehr zufrieden. Befragt nach Verbesserungspotenzialen wünschen sich Unternehmen vor allem eine bessere Kommunikation zwischen Schule und Betrieb (59,6 Prozent) und weniger Unterrichtsausfall (49,6 Prozent).

Wirtschaft 4.0: IT-Kompetenzen werden immer wichtiger
Nach Ansicht von 80,8 Prozent der Unternehmen nehmen IT-Kompetenzen bei der Rekrutierung neuer Auszubildender an Bedeutung zu (Vorjahr 72,3 Prozent). Wirtschaft 4.0 verlangt verstärkt selbstständiges und verantwortungsbewusstes Handeln (59,1 Prozent und 47,9 Prozent), Kommunikationsfähigkeit (56,4 Prozent) sowie strukturiertes Arbeiten (50,3 Prozent). Die Medienkompetenz ihrer Auszubildenden schätzen die meisten Unternehmen zu Beginn der Ausbildung insgesamt auf Basisniveau ein. Nicht überraschend bringen sie eher sehr gute Kompetenzen im Bereich Social Media mit (57,1 Prozent), während viele Unternehmen Kompetenzen im Datenschutz deutlich vermissen (61,7 Prozent).

Interdisziplinäre Azubi-Projekte bereiten besonders gut auf Arbeiten 4.0 vor
58,8 Prozent der Unternehmen reagieren auf das veränderte Arbeiten 4.0 mit interdisziplinären Azubi-Projekten. Gute Möglichkeiten bieten auch Zusatzqualifikationen wie zum Beispiel IT-Kenntnisse oder persönliche Fähigkeiten (38,9 Prozent), neue Formen der Wissensvermittlung, zum Beispiel durch Lernprozessbegleiter (27,6 Prozent) und die Intensivierung der Zusammenarbeit mit der Berufsschule (23,4 Prozent).

Betriebliche Weiterbildung sichert die Leistungsfähigkeit der Unternehmen
Überwiegend bieten Unternehmen ihren Mitarbeitern firmeneigene Seminare an (72,5 Prozent). Über die Hälfte der Unternehmen setzt aber auch auf selbstgesteuertes Lernen mit digitalen Medien, Selbstlernen mit nicht-digitalen Medien und Aufstiegsfortbildungen.

Soft Skills, wie zum Beispiel Problemlösungsfähigkeit oder Kreativität, sowie IT-Kenntnisse und fachspezifische Kenntnisse sind die wichtigsten Weiterbildungsthemen für die Unternehmen. Changemanagement gewinnt deutlich an Bedeutung. Der Bedarf an Beratungsangeboten in Sachen Weiterbildung ist im Vergleich zum Vorjahr noch gestiegen. Dabei sehen sie vor allem die IHKs, die Branchenverbände und die Agentur für Arbeit in der Pflicht. Zur Steigerung der Weiterbildungsbeteiligung halten die Unternehmen vor allem den Ausbau zielgruppenspezifischer Fördermittel, zum Beispiel durch Aufstiegs-BAföG, den Ausbau von Arbeitszeitkonten, um Zeit für Weiterbildung anzusparen sowie staatliche Prämien bei erfolgreicher Weiterbildung für am besten geeignet.

Einstiegsqualifikationen mit anschließender Berufsausbildung, die schrittweise Qualifizierung sowie Einstiegspraktika mit begleitender Weiterbildung halten die Unternehmen für geeignete Maßnahmen für erwachsene Personen ohne formalen Berufsabschluss.

Hier geht es zur kompletten Umfrage


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